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Natalie Portman Ein unerhörter Vorfall erzählt viel über Israel

Natalie Portman, ihre Israel-Kritik und die Reaktion der israelischen Politiker und Gesellschaft.

Natalie Portman und Shimon Peres
Natalie Portman 2015 mit dem israelischen Ex-Präsidenten Shimon Peres. Foto: afp

Es gibt viele Ereignisse, die Israel in diesen Tagen erschüttern könnten: Die Proteste und tödlichen Schüsse am Gazastreifen jeden Freitag zum Beispiel oder die Versuche des Iran, in Syrien militärische Stützpunkte zu errichten. Da ist die Ankündigung Donald Trumps, am 14. Mai die amerikanische Botschaft in Jerusalem zu eröffnen; und natürlich der 70. Jahrestag des Landes, den die Palästinenser als Nakba – Katastrophe – betrauern. Aber kaum etwas wühlt die Israelis derzeit mehr auf, als die Worte einer zierlichen Hollywood-Schauspielerin, die Weigerung Natalie Portmans, den Genesis-Preis „aus politischen Gründen“ persönlich entgegenzunehmen.

Der Genesis-Preis, auch „jüdischer Nobelpreis“ genannt, ehrt Menschen, die sich für jüdische Menschen und Werte engagieren. Am vergangenen Donnerstag, mitten in den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag, erreichte die schlechte Nachricht die Nation, eine Erklärung von Portmans Management, „die jüngsten Ereignisse in Israel habe die Schauspielerin als extrem bedauerlich empfunden, sie fühle sich nicht wohl dabei, an einer öffentlichen Veranstaltung in Israel teilzunehmen“. Seitdem geht ein Sturm durch die israelischen Medien, fast stündlich gibt es neue Kommentare und Stellungnahmen zu diesem unerhörten Vorfall.

Israels Kulturministerin Miri Regev reagierte als erste. Sie warf der Schauspielerin vor, nicht nur die Preisverleihung zu boykottieren, sondern das Land. Oren Chasan, Abgeordneter der Regierungspartei Likud, verlangte, Portman, die in Jerusalem geboren wurde, die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen. Energieminister Yuval Steinitz findet, ihre Äußerung grenze an Antisemitismus. Portman habe damit den schlimmsten Hassern des jüdischen Staates im Nahen Osten in die Hände gespielt. Gerne wird die Kritik an der Schauspielerin auch mit einer Referenz an ihre Filme verbunden. Natalie Portman schließe sich denen an, die die wundersame Wiedergeburt Israels als Geschichte von Finsternis sähen, sagte die Kulturministerin und bezog sich damit auf „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“, dem Regiedebüt Portmans. Gilad Erdan, Minister für Innere Sicherheit, erinnerte in einem Brief an die Schauspielerin an Anakin Skywalker, der in „Star Wars“ der dunklen Seite der Macht verfällt.

Natalie Portman, 36 Jahre alt, Tochter eines israelischen Arztes und einer jüdisch-amerikanischen Mutter, zog als Kind in die USA, hat aber immer noch eine enge Beziehung zu ihrem Heimatland und scheint von den heftigen Reaktionen überrascht zu sein. Auf jeden Fall ergänzte sie die Erklärung ihres Managements wenig später auf Instagram, wo sie erklärte, sich gegen die Teilnahme an der Zeremonie entschieden zu haben, „weil ich nicht als Unterstützerin Benjamin Netanjahus wahrgenommen werden möchte“. Kritik an der israelischen Regierung sei für sie nicht gleichzeitig ein Boykott der gesamten Nation. Sie schätze ihre israelischen Freunde und ihre Familienangehörigen ebenso wie das israelische Essen, Literatur, Kunst, Kino und Tanz. Aber der Umgang mit Flüchtlingen in Israel entspreche nicht ihren jüdischen Werten. „Weil mir Israel wichtig ist, stehe ich auf gegen Gewalt, Korruption, Ungleichheit und Machtmissbrauch.“

Es ist die gleiche Kritik, die aus der israelischen Gesellschaft oft zu hören ist. Aber aus dem Mund eines Superstars wirken diese Worte anders, größer, bedrohlicher, weil sie nicht nur linke Aktivisten erreichen, sondern auch die Jugend, den konservativen Mittelstand, das ganze Land. Für einen Moment spürt man, wie empfindlich Israel ist und vielleicht auch wie wacklig Netanjahus Macht. Natalie Portman, die Schauspielerin, hat an seinem Stuhl gerüttelt. Sie ist jetzt so was wie das ungeliebte Kind der Nation. Die Zeremonie Ende Juni wurde abgesagt, den Preis aber, eine Million Dollar, die traditionell an wohltätige Organisationen gehen, bekommt sie trotzdem. Auch das erzählt viel über Israel.

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