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Namen Ernst Moritz Arndt tut nicht gut

Die Universität Greifswald hat völlig recht damit, ihren alten Namen abzulegen. Oder soll man sich „Ernst Moritz Arndt, der vielfach umstrittene und instrumentalisierte–Universität“ nennen? Ein Kommentar.

20.01.2017 16:59
Dirk Pilz
Vor dem Hauptgebäude der Universität Greifswald steht das Rubenowdenkmal mit einer Skulptur des Dichters Ernst Moritz Arndt. Seinen Namen aber hat die Einrichtung jetzt abgelegt. Foto: dpa

Die Universität Greifswald hat beschlossen, ihren Namen Ernst Moritz Arndt abzulegen. Das ist begrüßenswert, aber natürlich auch kompliziert.

Es ist ja ohnehin zweifelhaft, ob sich eine Universität einem Namen verschreiben sollte. Das gilt sogar für die Johann Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt, die Humboldt Universität in Berlin oder die Friedrich-Schiller-Universität in Jena – es bedeutet immer, zu diesem Namensgeber Ja und Amen zu sagen. Es gibt aber niemanden, der in allem zu preisen wäre, selbst Goethe, Humboldt und Schiller nicht. Es finden sich allerdings Fälle, bei denen aus der historischen Distanz heraus das Preisen unangebracht, wenn nicht unmöglich ist.

Ein solcher Fall ist der Schriftsteller, Historiker und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung Ernst Moritz Arndt, 1769 auf Rügen geboren, 1860 in Bonn gestorben. Arndt war in Greifswald Professor für Geschichte, ab 1818 dann in Bonn, einst ein vielgelesener Denker. Er hat mit seinem „Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen“ eben diese Leibeigenschaft kritisiert, überhaupt oft einen emphatischen Freiheitsbegriff vertreten und sich entsprechend gehörig Ärger eingehandelt. In der DDR wurde er deshalb von Staatsseiten als Vorkämpfer für die eigene sozialistische Sache gefeiert.

Arndt hat allerdings auch einen Nationalismus gepredigt, der weit über den von ihm beanspruchten Patriotismus hinausging. Er hat zum Hass gegen den „französischen Leichtsinn“ aufgerufen, „das Französische“ als „Entehrer und Verwüster“ deutscher „Kraft und Unschuld“ hingestellt und eine Vorstellung von deutscher Identität entwickelt, die von den Nationalsozialisten dankbar aufgegriffen wurde. Dazu noch der unverhohlene Antisemitismus einiger seiner Schriften – Arndt hat es dem nationalsozialistischen Regime leicht gemacht, von diesem instrumentalisiert zu werden. Und er macht es heutigen Nationalisten einfach, sich von ihm bestätigt zu fühlen. In seiner Schrift „Über den Gebrauch einer fremden Sprache“ polemisierte er, nur ein Beispiel, gegen die „Vergötterung des Ausländischen“ – und sah Deutschland zum „Allerweltsvolk“ verkommen.

All das muss man aus Arndts Zeit heraus begreifen und heute immer dazusagen. Als Namensgeber ist Arndt damit allerdings denkbar ungeeignet, oder soll man sich „Ernst Moritz Arndt, der vielfach umstrittene und instrumentalisierte – Universität“ nennen?

Klar, man könnte auch argumentieren, dass Arndt ohnehin kaum jemand mehr liest. Aber warum ihn dann zum Namenspatron erheben? Um zu seiner Wiederentdeckung aufzurufen? Wie man es dreht und wendet, eine Institution mit diesem Namen steht immer schlecht da.

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