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Nákladové nádra?í ?i?kov in Prag Entspannen auf dem Güterwaggon

Mehr als zehn Jahre lang lag der ehemalige Güterbahnhof Prag-?i?kov brach. Im vergangenen Jahr in letzter Sekunde vor dem Abriss gerettet, bietet das Kleinod der funktionalistischen Architektur jetzt Raum für Ausstellungen, aber auch Platz für eine ziemlich einzigartige Freizeitoase mitten in der Stadt.

30.06.2014 15:37
Von Daniel Kortschak
Stadtstrand auf dem Güterwaggon: Der frühere Güterbahnhof ?i?kov in Prag wird auch in diesem Sommer kulturell genutzt. Foto: Daniel Kortschak

Künstlich aufgeschüttete Stadtstrände sind schon seit einiger Zeit in Mode. Die Nutzung von urbanen Brachflächen als Stadtgarten erst recht. Nun ist dieser Trend auch in Prag angekommen. Doch der Ort, an dem in der tschechischen Hauptstadt knallgelbe Klappstühle zum Verweilen und frisch aufgeschüttete Erde zum Anpflanzen von Sommergemüse einladen, ist ein ganz spezieller.

Die Sonnenstühle stehen nämlich nicht etwa am Ufer der Moldau und die Gemüsebeete breiten sich nicht auf einer der zahlreichen Brachflächen am Stadtrand aus: Sowohl der Stadtstrand als auch der Urban Garden sind in Prag auf dem Gelände eines früheren Güterbahnhofs im pulsierenden Stadtteil ?i?kov zu finden, wo ?D Cargo,die Güterverkehrstochter der staatlichen Tschechischen Bahnen, überzählige Waggons abstellt.

Zahlreiche dieser ungenützten Güterwagen haben nun die Macher des Landscape Festival in Beschlag genommen: Auf einigen von ihnen werden künstlerische Interventionen gezeigt, andere wurden mit Erde aufgefüllt. Dort sprießt nun inmitten von rostigem Stahl und bröckelnder Bausubstanz frisches Grün. Auf mehreren an einer ehemaligen Laderampe abgestellten Flachwagen haben die Betreiber der in der angrenzenden Lagerhalle untergebrachten Bar Sand aufgeschüttet; knallgelbe Klappstühle und selbstgezimmerte Holzmöbel laden zum Verweilen ein.

Die Gebäude des 1936 eröffneten Güterbahnhofs, damals weltweit das modernste Bauwerk seiner Art, schließen sich wie ein U um das Areal und schaffen in seinem Inneren eine Oase der Ruhe. Selbst dass auf dem Freigelände unmittelbar nebenan noch rege Container von der Schiene auf die Straße umgeladen werden und einige Firmen die Hallen noch als Lager benutzen, bekommt man kaum mit.

Dabei sollte auf dem 36 Hektar großen, nur 15 Minuten Straßenbahnfahrt vom Stadtzentrum entfernten Gelände eigentlich längst hektische Betriebsamkeit herrschen. Nach der endgültigen Schließung des Bahnhofs für den Güterverkehr im Jahr 2010 gründeten die Tschechischen Bahnen gemeinsam mit einem tschechischen Immobilienentwickler eine Verwertungsgesellschaft.

Deren auch vom zuständigen Stadtbezirk Prag 3 und der Prager Stadtregierung gebilligten Pläne sahen vor, das Gebäude abzureißen und auf dem Areal in bester Stadtlage Wohnungen, Büros und ein Einkaufszentrum zu errichten. Anstelle der früheren Gleisanlagen sollte eine vierspurige Ausfallstraße entstehen.

Doch gegen diese gigantomanischen Pläne regte sich bald heftiger Widerstand. Fachleute verwiesen auf die einzigartige Architektur des funktionalistischen Bahnhofskomplexes und Anwohner befürchteten eine Zunahme des Verkehrs und ein Explodieren der Immobilienpreise.

Um die Entstehung eines weiteren Retorten-Viertels mit gesichtslosen Bürobauten, Einheitswohnhäusern und einem überdimensionierten Einkaufszentrum zu verhindern, gründeten die Projektgegner die Bürgerinitiative "Tady není developerovo" ("Hier ist keine Developer-Welt"). Mehr als 5000 Bürger unterzeichneten eine Petition zur Rettung des Baudenkmals.

Seit 2013 unter Denkmalschutz

Nachdem das Kulturministerium einen ersten Antrag zur Unterschutzstellung ganze sieben Jahre lang unbearbeitet liegen gelassen hatte, beantragten Architekturhistoriker 2010 neuerlich die Erhebung des Güterbahnhofs ?i?kov zum nationalen Kulturdenkmal. Trotz mehrerer Einsprüche des Eigentümers wurde das Ensemble schließlich Anfang 2013 tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt.

Seither werden Konzepte zur weiteren Nutzung des großen Gebäudekomplexes mit seinen zahlreichen Warenhallen, Lagerkellern und den markanten stählernen Verbindungsbrücken mit ihren Aufzugstürmen erarbeitet. Zwar modifizierte der Immobilienentwickler seine Pläne mit Rücksicht auf den Denkmalschutz und schlug die Integration der historischen Substanz in sein Neubaukonzept vor. Doch damit geben sich die Freunde des Güterbahnhofs ?i?kov nicht zufrieden: Sie fordern die Erhaltung der Gebäude in ihrem ursprünglichen Zustand und schlagen eine kulturelle Nutzung vor.

Zumindest für die Zwischenzeit bis zu einer endgültigen Entscheidung über das weitere Schicksal des Baus scheint dieses Vorhaben nun gelungen zu sein: Im vergangenen Jahr beherbergte der Nákladové nádra?í ?i?kov die Kunstschau Prague Biennale und die Designmesse Design Blok. Außerdem gaben die heruntergekommenen, aber nach wie vor voll funktionstüchtigen Bahnhofsanlagen mit ihrem morbiden Charme die perfekte Kulisse für ein Theaterstück ab.

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