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Nachruf Hermann Weber Nach dem Prinzip links

Zum Tod des Historikers Hermann Weber, dessen Lebensthema die Kommunismusforschung war.

05.01.2015 15:54
Ulrich Mählert

Völker hört die Signale. Ulbricht fälscht Geschichte“. Kein anderer Historiker hat „Die Wandlung des deutschen Kommunismus – Weiße Flecken in der Geschichte der Bewegung“ und immer wieder „Die DDR“ (auch das ein Buchtitel) über Jahrzehnte so kenntnisreich dokumentiert und beschrieben wie Hermann Weber, für den ein „Leben nach dem ,Prinzip links‘“ dennoch Selbstverständlichkeit blieb.

In „Damals als ich Wunderlich hieß“ schildert Weber, wie er 1945 als Mannheimer Jungkommunist im Alter von 17 Jahren ein besseres Deutschland aufbauen will und bald mit dem dogmatischen Stalinismus hadert. Von der SED-Parteihochschule bringt er 1949 wachsende ideologische Zweifel mit, vor allem aber die große Liebe seines Lebens in den Westen: seine Frau Gerda, mit der er mehr als 60 Jahre verheiratet sein wird. 1954 kommt es zum Bruch mit der KPD. Gerda und Hermann finden in der SPD eine neue politische Heimat.

Anfang der 70er Jahre beginnt Hermann Webers steile akademische Karriere. 1975 wird Weber Professor für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Mannheim. Im Jahr seiner Emeritierung 1993 bringt er das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung auf den Weg. Bis 1998 gehört er den beiden Bundestagsenquete-Kommissionen zur DDR-Aufarbeitung an. Dort setzt er sich für die Gründung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ein. 2003 gründet er mit seiner Frau die Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung zur Kommunismusforschung, gleichzeitig überführt er sein Jahrbuch in die Stiftung.

Hermann Weber bleibt seinem Lebensthema verbunden. Mit dem Berliner Historiker Andreas Herbst veröffentlicht er zwischen 2004 und 2013 mehrere Erweiterungen des biographischen „Handbuchs Deutsche Kommunisten“. Mitte Dezember 2014 kommt die von ihm mitherausgegebene Dokumentation „Deutschland, Russland, Komintern“ aus der Druckerei. Zu diesem Zeitpunkt liegt Weber bereits seit ein paar Wochen im Krankenhaus, lange ohne Bewusstsein. Dann gibt es Zeichen der Besserung. Umso bestürzender die jetzt eintreffende Nachricht, dass Hermann Weber bereits am 29. Dezember 2014 im Alter von 86 Jahren friedlich eingeschlafen ist. Er fehlt uns. Als Mensch. In seinen Büchern lebt der Historiker weiter.

Ulrich Mählert war Schüler Hermann Webers. Er leitet den Arbeitsbereich Wissenschaft der Bundesstiftung Aufarbeitung und ist leitender Herausgeber des Jahrbuchs für Historische Kommunismusforschung.

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