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Nachruf Die Potentiale der Ahnen

Seine größte Passion, neben vielen weiten Feldern seines politischen Engagements, war die klassische Archäologie. Zum Tod des FR-Autors Hans-Martin Lohmann.

Hans-Martin Lohmann. Foto: privat

Soeben hatte er für die FR noch einen Essay über Max Weber geschrieben, hatte, verbunden mit aufmunternden Worten, vom Urlaub gesprochen, ja, Griechenland! Denn Hans-Martins Lohmanns größte Passion, neben vielen weiten Feldern seines politischen Engagements und Tummelfeldern des Enthusiasmus, war in den letzten Jahren die klassische Archäologie gewesen. In der FR schrieb er über solche Themen, ob über den Gottesstaat des Pharaos Echnaton oder den Ruin, den ein Berlusconi auch über Pompei verhängt hat.

Jetzt ist Hans-Martin Lohmann, den Urlaub in Griechenland hatte er abbrechen müssen, gestorben. 1944 geboren, wurde der Dreißigjährige Wissenschaftslektor im Suhrkamp Verlag, von 1979 an war Lohmann Redakteur, zwischen 1992 und 1997 Chefredakteur der Zeitschrift „Psyche“. Mit seinen Monografien, etwa über Marx ebenso wie in seinen „22 Portraits der europäischen Linken, von Blanqui über Marx bis Adorno“ beharrte er auf der Tradition linker Aufklärung. In ihrem Namen ging er als Autor immer wieder auf Abstand zum geronnenen Geist von Dogmatikern. Lohmann, der ebenfalls Bücher zur Psychoanalyse publizierte, traf 2010 mit dem Reclam Verlag die Verabredung, um Schlüsseltexte Sigmund Freuds in der berühmten Universalbibliothek herauszugeben und zu kommentieren.

Hans-Martin Lohmann, im aktuell kommentierenden Tagesgeschäft energisch, ließ sich in den letzten Jahre hinreißen von einer neuen Leidenschaft, gönnte sich die Abschweifung in die Archäologie und Antike, und dazu gehörte etwa die Lektüre der „Ilias“, deren Hexameter er im Original zu rezitieren wusste. Selbstbesinnung durch und auf die Urahnen, das ging ein in seine Texte.

Überhaupt forschte er hinterher den unermesslichen Potenzen der intellektuellen Großmächte, auch Hans Blumenberg etwa – oder hier noch kürzlich Max Weber. In Erinnerung bleibt Hans-Martin Lohmanns Satz: „Am Ende aber bleibt Weber, was die politischen Potenzen des Bürgertums angeht, immer ambivalent – und pessimistisch. Vielleicht liegt in dieser Haltung seine wahre Größe.“

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