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Xavier Naidoo NDR gesteht Fehler bei ESC-Nominierung ein

Nach der abgesagten ESC-Nominierung von Sänger Xavier Naidoo geht der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor in die Offensive. Er räumt Fehler ein.

25.11.2015 15:31
Xavier Naidoo: Seine inzwischen abgesagte Nominierung für den Song Contest sorgt weiter für Aufregung. Foto: dpa

Hoffnung für die ESC-Fans: Nach dem Debakel um die ESC-Nominierung Xavier Naidoos durch den NDR erwägen die Verantwortlichen offensichtlich wieder einen Vorentscheid mit mehreren Kandidaten. Die Tendenz gehe in der Tat dahin, zum Wettbewerb zurückzukehren und das Publikum entscheiden zu lassen, wer im nächsten Jahr nach Stockholm fährt, sagte der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor am Mittwoch in Hamburg. «Der NDR hat einen Fehler gemacht», meinte Marmor. Auch er selbst habe die Wucht der Reaktionen unterschätzt. «Wir haben kein gutes Bild abgegeben.»

Der innerhalb der ARD für den Wettbewerb verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte in der vergangenen Woche Naidoo (44) zunächst ohne die sonst übliche Vorentscheidung als Teilnehmer für den Eurovision Song Contest (ESC) bestimmt, die Nominierung nach heftiger Kritik aber wieder zurückgezogen. Naidoo, der bei der Fußball-WM 2006 für seinen Hit «Dieser Weg» gefeiert worden war, gilt inzwischen wegen politischen Äußerungen als umstritten.

Zu finanziellen Verpflichtungen, die sich für den Sender aus der Absage an den Sänger ergeben könnten, sagte NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann: «Es gibt aus unserer Sicht keinen Vertrag.» Es gebe mündliche Absprachen über Eckwerte, «aber Eckwerte sind vertraulich». Beckmann betonte: «Wir haben keine Leistung abgerufen und es gibt keinen schriftlichen Vertrag.» Juristische Fragen dazu würden derzeit noch geprüft.

Beckmann ergänzte, dass sich wegen der hohen Attraktivität des ESC ohnehin Sänger beim Sender bewerben würden. «Schnellschüsse, das haben wir jetzt gelernt, sind aber nicht das richtige Mittel der Wahl, um den ESC voranzubringen.» Der deutsche Kandidat für das Finale im Mai 2016 müsse bis Mitte März benannt werten. Die mangelnde Information innerhalb der ARD sah Beckmann ebenfalls kritisch: «Wir werden zusehen, dass wir uns breiter abstimmen.» Auch der ESC-Verantwortliche Thomas Schreiber, NDR-Unterhaltungschef, bedauere den Vorgang sehr.

Starker Protest innerhalb des Senders

Die Naidoo-Nominierung hatte nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch innerhalb des Senders starken Protest ausgelöst. NDR-Redakteure kritisierten die Entscheidung in einem Brief. Auch ARD-Programmdirektor Volker Herres hatte dem NDR eine vorschnelle Nominierung des umstrittenen Sängers vorgeworfen. Er hätte es begrüßt, wenn die Diskussionen ARD-intern geführt worden wären. Herres stellte am Mittwoch das hohe Engagement des ESC-Verantwortlichen Schreiber heraus. «Er ist ein Mann der mit großer Leidenschaft für seine Sache kämpft, manchmal geht dabei das Herz über. Kommunikationspannen können passieren», sagte Herres. «Er (Schreiber) genießt meine volle Wertschätzung und mein volles Vertrauen.»

Zu Wochenbeginn hatten die ARD-Intendanten in Hamburg getagt und über Programmentwicklung und Personalien beraten. Der ARD-Programmdirektor kündigte an, dass 2016 weiterhin fiktionale Stoffe und Dokumentationen kombiniert werden sollen. Moderatorin Sandra Maischberger, deren Vertrag vom WDR bis Ende 2017 verlängert wurde, soll von Januar 2016 an mittwochs in ihrer neuen Sendung «Maischberger» (22.45 im Ersten) das gesellschaftlich relevante Thema des um 20.15 gezeigten Spielfilms vertiefen - beispielsweise den Missbrauch von Kindern. Bei den «Tagesthemen» soll der Vertrag von Moderatorin Caren Miosga bis Sommer 2019 verlängert werden. Dem muss noch der NDR-Verwaltungsrat zustimmen.

Für den NDR-Intendanten Marmor (61) läuft seine Zeit als ARD-Vorsitzender Ende dieses Jahres aus. Anfang 2016 übernimmt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) mit Intendantin Karola Wille (55) den Vorsitz. Marmor hatte das Amt 2013 übernommen. «Der Zusammenhalt in der ARD ist besser geworden», bilanzierte Marmor. Es seien viele «hart errungene Lösungen» gefunden worden. «Sonst kann das föderale System auch nicht funktionieren.» Zum dritten Mal in der Geschichte der ARD hatte eine Landesrundfunkanstalt die ARD-Geschäftsführung länger als zwei Jahre inne. (dpa)

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