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Xavier Naidoo Krude und dumpfe Gewaltfantasien

Popstar in der Opferrolle: Xavier Naidoo spannt die Fäden in seinem Song „Marionetten“ etwas straffer.

Xavier Naidoo
Xavier Naidoo beim Echo 2016. Foto: rtr

Versteckte Botschaften gehören zum Handwerk des Popgeschäfts. Oft werden sie kunstvoll in die Songs eingebaut, ein liebevoller Fingerzeig für die Gemeinschaft der Verstehenden. In den Pioniertagen der 60er Jahre waren es sexuelle Anspielungen, die bei den meist jugendlichen Fans eine stille Erregung evozieren sollten. Aber nicht alles, was drinsteckt, kommt bei den Hörern an. Pop ist eben auch ein Marktplatz der subtilen Verweise in einer Umgebung grassierender Gleichgültigkeit.

Xavier Naidoo, ein deutscher Sänger mit indisch-irisch-südafrikanischen Wurzeln, konnte bislang ganz gut damit leben. Das von ihm angeleitete Bandmodell Söhne Mannheims war ein für allerlei musikalische Einflüsse offenes Projekt, in dem Glamour, Kitsch und ein wogendes Soul-Gefühl locker und unbeschwert zusammenkamen.

Seine Sangeskunst kommt derart elegant daher, dass seine Fans ihm wohl auch die Vertonung des Telefonbuches durchgehen lassen würden. Aber ach, der Mann weiß leider auch die Wiederholungstaste zu drücken. Und wenn man in diesen Tagen abhebt, tönt es arg schrill. In seinem aktuellen Lied „Marionetten“ singt Xavier Naidoo über ein politisches Wahlvolk, das von bösartigen Volksvertretern gegängelt wird, es aber scheinbar nicht bemerkt. „Ihr seid blind für Nylonfäden an euren Gliedern“, heißt es in dem Lied, das vollgestopft ist mit kruden Anspielungen und das dumpfe Gewaltassoziationen transportiert. Unklar bleibt dabei, wer diese hegt und woher sie kommen.

Xavier Naidoo besingt das alles aus der Perspektive eines onkelhaften Chronisten, der zu sagen scheint: Ich will ja nichts sagen, es fiel mir halt so auf. Der Sänger als Medium polyphoner Botschaften.

Die aber werden verstanden. Vor allem im Umfeld der rechtsextremen Reichsbürger, deren Gedankengut Naidoo schon öfter von sich gegeben hat. Bereits 2011 vertrat er im ARD-Morgenmagazin die These, dass Deutschland kein souveräner Staat sei und noch immer von der Gunst der Alliierten abhänge. Anspielungen darauf finden sich jetzt auch in dem Song „Marionetten“ wieder. Die Söhne Mannheims verstehen ihn nach eigener Aussage als „Appell zum Nachdenken“.

Das hat Xavier Naidoo bereits getan. Immer klarer positioniert sich der Popstar, der 2016 zunächst als deutscher Vertreter für den Eurovision Song Contest vorgesehen war, nach anhaltenden Protesten gegen seine Person aber verzichtet hatte, in der Opferrolle eines Verfemten und Missverstandenen. Deshalb hat der Sänger die Fäden der „Marionetten“ wohl etwas straffer gespannt.

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