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Vertigo Trombone Quartett Posaunisten-Tugenden

Das Vertigo Trombone Quartett mit Nils Wogram und sein ganz spezieller Ensemble-Klang – auf der CD mit dem schönen Titel "Developing Good Habits" und im Konzert.

03.02.2015 17:07
Hans-Jürgen Linke

Nicht, dass es nicht auch andere ansprechende Klangfarben gäbe, aber wenn in einer Bigband der Posaunensatz Registerprobe macht, spitzen alle anderen Musiker die Ohren. Nichts auf der Welt klingt wie ein vierstimmiger Posaunensatz. Der alte Spruch von der Stimmähnlichkeit des Posaunenklangs ist schnell widerlegt, denn dann müsste der Posaunensatz ja klingen wie ein Männer-Gesangsquartett, was er definitiv nicht tut.

Ein Posaunensatz mit vier guten Instrumentalisten klingt nach leichtem, weichem Blech, präzise dosierter Dynamik, nach Kraft- und Gefühlsreserven, nach souveräner Lufthoheit, Freundlichkeit und Nähe. Natürlich kann alles, wie man weiß, in der zeitgenössischen Musik auch ganz anders klingen.

Das Vertigo Trombone Quartet aber sucht nicht nach den Störgeräuschen und besonderen Effekten, sondern hat klangliche Blasmusik-Tugenden weiter entwickelt und mit dem, was zeitgenössischer Jazz und Neue Musik auch können, zusammengeführt und versöhnt.

Das Vertigo Trombone Quartet besteht aus vier großartigen Posaunisten, deren stilistische Vorlieben und Betätigungsfelder im Normalfall im zeitgenössischen Jazz liegen. Nils Wogram und Jan Schreiner bilden die deutsche, Andreas Tschopp und Bernhard Bamert die Schweizer Hälfte. Die erklärte Absicht der vier ist es, einen Ensemble-Klang zu entwickeln, was in einem erstaunlichen Maße gelungen ist.

Sie profitieren dabei von der kompositorischen Erfahrung und der enormen Sophistication, die in der zeitgenössischen Musik in verschiedenen Blasinstrumentalisten-Ensembles produziert worden ist, und sie stellen nachdrücklich die klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente in den Fokus. Dabei geht es nicht einen Augenblick simpel und vorhersehbar zu.

Nils Wogram bringt als Komponist eine aufgeklärte Jazznähe in den Ensemble-Konsens ein, Bernhard Bamert eine undogmatische Neue-Musik-Experimentierfreude, Jan Schreiner einen elaborierten Folkorismus. Gemeinsam entfalten die vier, was in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten an diesem Instrument an solistischer und klanglicher Potenz entwickelt wurde, sie zischeln und brutzeln Rhythmen, glissandieren wunderbar synchron, sie erzeugen alles, was ihre Musik braucht, mit Luft und Ansatz, verfügen über schwierige Spiel- und Atemtechniken, als würden Lunge und Instrument das von selbst machen.

Und sie tun all das mit einem gelassen fröhlichen Schwung.

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