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U2 - Songs of Experience Die Erfahrenen

Mit „Songs of Experience“ legt die irische Supergruppe U2 ein neues, routiniertes Album vor.

U2
U2 im November bei den MTV Music Awards. Foto: AFP

Umgekehrt proportional verhalten sich bei U2 die Kürze des Bandnamens und die weltweite, unter anderem auf 170 Millionen verkauften Tonträgern und 22 Grammys beruhende Berühmtheit. Zu der sich aber nun, kurz vor Erscheinen des 14. Studioalbums am 1. Dezember, eine andere Art von Bekanntheit gesellte – wegen fragwürdiger Investitionen des Ober-U2lers, der sich mit einigem Recht Bono (Vox) nennt, gute Stimme. Als weitreisender Weltverbesserer hat er sich durchaus einen Namen gemacht, was über Jahre Spott ebenso wie Bewunderung hervorrief. Bis die Enthüllungen der „Paradise Papers“ kamen. Jetzt muss man Bonos Image beschädigt nennen.

Songs mit der gewissen Routine

Und die „Songs of Experience“ sind nicht geeignet, vom persönlichen Straucheln abzulenken mit einem musikalischen Geniestreich: Die 13 Lieder sind solide gearbeiteter U2-Durchschnitt. Man errät jeweils, wie sie im nächsten Takt weitergehen, weil ein U2-Song eben so weitergeht. Weil er eben genau dieser Dramaturgie des An- und Abschwellens folgt. Die Lieder enthalten große Gesten und schmelzende Streicher, durchstartende, losbratzende Gitarren und nervöses, anschwellendes Frickeln. Sie erheben Anspruch aufs Breitwand-Format und auf gültige, mit Nachdruck gesungene Textzeilen. Die Musik der Iren ist nichts fürs Lagerfeuer und nichts für die Kleinbühne, diese vier denken das Stadion immer mit. Da steckt einiges an Opulenz und Wumms dahinter, aber inzwischen eben auch eine gewisse Wumms-Routine.


Die Veröffentlichung von „Songs of Experience“ (gedacht als Gegenstück zu „Songs of Innocence“, 2014) soll sich verzögert haben, heißt es, weil nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten Bono die ursprünglich an Freunde addressierten Lieder nicht mehr politisch genug gewesen seien. Unmöglich zu sagen, wie sehr er sie umschrieb, aber sie kommen einem auch jetzt noch weit mehr persönlich als politisch vor, mehr „Love Is All We Have Left“, ein allgemeiner Appell für mehr Liebe in der Welt, mehr „Love Is Bigger Than Anything In Its Way“ (Liebe ist größer, yeah) als das spöttische „American Soul“. Zeilen daraus wie gesegnet seien die Superstars, gesegnet seien die reichen Säcke („blessed are the filthy rich“) sind ironisch gemeint, werden Bono in diesen Tagen aber sicher noch um die Ohren gehauen werden.


Das Zeug zur Hymne hat keiner der 13 Songs, obwohl sie wieder und wieder Schwung nehmen, obwohl Bono Vox alias Paul David Hewson kraftvoll und doch auch nuanciert bei Stimme ist. Und auch den Texten fehlt das Quäntchen Originalität, das sie unbedingt über Banalitäten wie „a rose, it grows“ oder „I can see lights in front of me“ („Lights of Home“) herausheben müsste. Alles wirkt irgendwie gut Abgehangen. Die vier von U2 – Bono, Leadgitarrist The Edge, Adam Clayton am Bass, der Schlagzeuger Larry Mullen Jr. – arbeiten seit 1976 zusammen. Das ist gewiss erstaunlich, andere Rock- und Popgruppen haben sich in dieser Zeit schon viermal getrennt. Aber es ist vielleicht auch nicht gerade ein Impuls für Veränderung.

Mit diesem Album will U2 im kommenden Jahr auf große Tournee gehen. Mag sein, dass einige Songs daraus sich live und im Konzertüberschwang sogar besser machen, mag sein, dass Bonos wenn nicht illegale, dann doch unsympathische Finanzgeschäfte dann auch kein Thema mehr sind.

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