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U2 in Köln Bono missioniert die Massen

Dafür greift Bono beim Kölner Konzert von U2 schließlich zum Megafon und verstärkt seine Botschaft.

Konzert U2
Durchdrungen vom Wunsch, die Welt zu verändern: Bono. Foto: Paul Zinken (dpa)

Zum Ende der gut zweistündigen Show wird die Europafahne gehisst, Bono singt „Pride (In the Name of Love“, nein er brüllt es durch ein Megafon. Er hat jetzt keine Angst mehr, die Stimme zu verlieren, fordert vom Publikum, so laut mitzusingen, dass man es bis nach Chemnitz hört. Ja er findet sogar noch Zeit, Kölns OB Henriette Reker für ihren Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit zu loben. Darauf folgt ein aufrüttelnd großartiges „New Years Day“, an dessen Ende Bono „Freude, schöner Götterfunken“, die offizielle Hymne des Europarats, summt.

Bambino von den Toten Hosen

Überhaupt durchströmen Bono an diesem Abend viele Melodien, und nicht nur die eigenen. Bowies „Rebel Rebel“ wird angestimmt, Kraftwerks „Spiegelsaal“ und Jim O’Rourkes feministische Hymne „Women of the World, Take Over“. Die Lieder sind dem Sänger selbstredend nicht zufällig von der Zunge gesprungen. Hier sagt alles etwas aus. Warum sollte man sich sonst auf eine Bühne stellen? „Women of the World, Take Over“ ist die offizielle Hymne der von Bono mitgegründeten Lobbyorganisation „One“, die sich für die Bekämpfung extremer Armut einsetzt, vor allem unter jungen Frauen. Ihren namensgebenden Song spielen U2 als Zugabe. „Rebel Rebel“ markiert, zusammen mit „Vertigo“, die breitbeinigsten Rockstar-Träume der Band. Ihr oberster Egomane spielt dazu einen zynischen Teufel namens MacPhisto, hat sich die Augen mit Kajal umschmiert und trägt Zylinder, lästert über den Gutmenschen, der sich sicher ärgere, dass er wegen seiner verlorenen Stimme nicht in Chemnitz mit – wie heißt der Kerl noch? – Bambino von den Toten Hosen für die langweilige, gute Sache eintreten können. Mit „Spiegelsaal“ folgt schließlich katerartig die Selbsterkenntnis: „Sogar die größten Stars/ Mögen sich nicht im Spiegelglas.“ Unterstrichen wird die bittere Einsicht vom besten Song des Abends: „Acrobat“. Das Lied vom desillusionierten Rockstar hat die Band vor dieser Tour noch nie live gespielt, jetzt dafür umso enthusiastischer.

Vielleicht, weil sie den Dämon, den sie dort heraufbeschwört, inzwischen besiegt hat: Am Ende des Konzerts geht Bono noch einmal den langen Steg herunter, bis zu einem Modell seines Geburtshauses. Er klappt das Dach auf, holt eine große Glühbirne heraus und lässt diese durch den Raum schwingen. Dann verlässt er die Bühne, einfach so, ohne Knalleffekt, quer durch den Innenraum, vorbei an den Menschen, die sich hier in seinem Namen versammelt haben.

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