Lade Inhalte...

Till Brönner Die gestochen scharfe Variante

Till Brönner und Dieter Ilg mit einem großartigen Konzert in der Alten Oper Frankfurt.

Der Ruf von Till Brönner in den engeren Zirkeln des Jazz ist ein zweifelhafter. Viel Glattes, Gefälliges hat der Trompeter hervorgebracht, was nicht der Preis für den Ruhm sein muss, wie das Beispiel eines Michael Wollny zeigt. Unbestritten hingegen ist sein brillantes Vermögen als Instrumentalist. Im Duo mit dem Freiburger Bassisten Dieter Ilg präsentiert sich der exzellente Musiker Till Brönner auf der Höhe seines gleichsam enzyklopädisch stilübergreifenden Könnens. Seit acht Jahren schon spielen die beiden miteinander, im Zuge der Konzertreise zum Erscheinen ihres famosen ersten gemeinsamen Albums „Nightfall“ gastierten sie im mittelgut besuchten Großen Saal der Frankfurter Alten Oper.

Das Repertoire ist enorm buntscheckig, es reicht vom Jazzstandard „Body & Soul“ über den Pophit „Scream & Shout“ von Will.i.am und Leonard Cohens „A Thousand Kisses Deep“ bis zu Ornette Coleman und, in der Zugabe, dem Kirchenlied „Ach bleib mit deiner Gnade“ von Melchior Vulpius; doch diese Begegnung zweier markanter Musikerpersönlichkeiten ist alles andere als eine Revue der Beliebigkeiten. Die eigenen Kompositionen bleiben im Übrigen in der Unterzahl.

Frappierend ist die Vielgestaltigkeit der Spielweisen und -techniken. Es ist durchaus nicht die Reibung, um die es in der intensiven Zwiesprache geht, der Charakter ist eher der einer kammermusikalischen Begegnung. Es gibt furiose Solopassagen mit garantiertem Szenenapplaus, immer diszipliniert am musikalischen Zweck orientiert. Mal setzt Ilg die Akzente auf dem Bass ganz sparsam und partiell perkussiv, ein andermal spielt er rasant.

In einer bewundernswerten Technik bildet er Töne perkussiv mit der Greifhand. Es kommt zu Klangszenen, mit Schaben und Perkussion auf dem Korpus des Basses und Ventil- und Luftgeräuschen von der Trompete. Brönner, der zwischen Trompete und Flügelhorn wechselt, fächert den Instrumentalklang elektronisch auf und arbeitet mit Livesampling und Loops. Es gibt den Balladenton und den beschwingten Groove. Der Beginn der Beatlesnummer „Eleanor Rigby“ kommt dem Easy Listening nahe, hernach entspinnt sich eine freisinnige Improvisation darüber.

Makellos, aber nicht zu kühl

Das wirkt alles gestochen scharf und makellos wohlgeraten in seiner luziden Art, aber keineswegs unterkühlt. Da wird ganz fokussiert musiziert, mit einer fantastischen Dichte und Spannung. Ein großartiger Abend. Durch die manchmal weitschweifigen und mit einem schalen Witz garnierten Ansagen Brönners muss man halt ebenso durch wie durch seinen – einmal bloß immerhin, in der Bossa-nova-Nummer „Café Com Pão“ von João Donato – mäßigen Gesang. Sollte es Brönner darum gegangen sein, es seinen Verächtern einmal so richtig zu zeigen – das wäre ihm glänzend geglückt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen