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Thomas Cremer Sinnlich entspannt

Ein neues Album von Thomas Cremer.

Der Schlagzeuger Thomas Cremer ist eine markante Figur in der zweiten Generation des Jazz nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt. Der so energetisch wie federleicht differenziert spielende, stets sehr genau auf seine Bandkollegen hörende Musiker hat in den siebziger Jahren im Quartett von Hans Koller und im Trio von Bob Degen gespielt, in den Achtzigern einige Jahre im Heinz Sauer Quartett und der Uli Beckerhoff Group, später bei Günter Lenz’ Springtime. Parallel leitete er vom Ende der siebziger Jahre an eigene Gruppen. Tiefe Spuren hat er auch als Initiator der 1986 gemeinsam mit Wilson de Oliveira gegründeten Frankfurt Jazz Big Band hinterlassen und als einer der Mitbegründer der Jazzinitiative.

Im vergangenen Jahr hat Cremer, Jahrgang 1948, sein fünfzigstes Bühnenjubiläum gefeiert, in diesem Jahr nun jährt sich die Gründung des Frankfurt Jazz Trios zum zwanzigsten Mal, das er mit dem Pianisten Olaf Polziehn und Günter Lenz am Bass gegründet hat. „Frankfurt Jazz Trio.20“ heißt das zu diesem Anlass eingespielte Album, es handelt sich um das vierte. Den Punkt im Namen kann man als launigen Seitenhieb auf eine modische Marotte begreifen. Die Musik jedenfalls wurzelt deutlich hörbar in der Tradition des Bebop, es handelt sich freilich um eine explizit zeitgenössische Überschreibung.

In seinen Anfängen hat das Trio – eine Teilmenge der Big Band; 2001 schon ist Martin Gjakonovski am Bass an die Stelle von Günter Lenz getreten – sich noch am Swing orientiert und viele Nummern aus dem Repertoire von Klassikern gespielt. Rasch kam allerdings der Schwenk zur Jazzmoderne, zum Bebop, ausgreifend bis zu Ornette Coleman. Das neue Album knüpft ziemlich nahtlos an das vor zehn Jahren erschienene „No. 3“ an. Der Sound des Trios bleibt unverkennbar, mit einer Liebe zu eleganten Arrangements und einer grundlegenden Wärme.

Gespielt werden wiederum vor allem eigene Kompositionen, die Hälfte der acht Stücke auf der Länge einer einstigen Vinyl-Langspielplatte von ungefähr vierzig Minuten stammt von Polziehn, eines geht auf Cremer zurück. Hinzu kommen Nummern von Jimmy Webb, Hoagy Carmichael und Edu Lobo.

Es ist ein steter Wechsel zwischen sinnlichen Balladen und entspannt musizierten Uptemponummern. Stets geht es um die Melodie. Es wird mit einer stupenden Technik musiziert, dabei geht es immer um den Ensembleklang, nicht um die virtuose solistische Profilierung. Die Gewichte verlagern sich Nummer um Nummer. Edu Lobos „Pra Dizer Adeus“ beginnt mit den unbegleiteten weit ausschwingenden Basslinien Gjakonovskis; gleich darauf tritt in Cremers „Ça Promet!“ dessen rhythmolodisch fein gearbeitetes Spiel, mit dem charakteristischen Akzent auf den Becken markant hervor.

Das Klangbild ist glasklar, jedes Instrument ist lupenrein ins Bild gesetzt. Umsichtig produziert hat Thomas Cremer, er lässt der Musik viel Raum. Das Frankfurt Jazz Trio erfindet nichts neu, es baut auf den modernistischen Errungenschaften des Bill Evans Trios auf, das den Standard für ein hierarchiefrei musizierendes Klaviertrio gesetzt hat. 

Und doch klingt das kompositorisch wie auch interpretatorisch eigenwillig und frisch, traditionsbewusst, aber doch nicht retro. Großartig, ohne Einschränkung.

Frankfurt Jazz Trio: 20. FJP.

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