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Tanz Glitzertanz, Tanzspiel

Die Dresden Frankfurt Dance Company mit einem munteren Abend von Jacopo Godani und William Forsythe im Bockenheimer Depot.

13.10.2018 13:18
Carola Sicheri, Vincenzo De Rosa
Im Godani-Look: Carola Sicheri, Vincenzo De Rosa. Foto: Dominik Mentzos

Die Dresden Frankfurt Dance Company, nach einigen Verwandlungen seit 2015 umbenanntes Überbleibsel des Frankfurter Balletts, ist wieder einmal in der Stadt. Und hat diesmal immerhin ein 20-minütiges Quartett aus großer Ballettzeit dabei: William Forsythes „N.N.N.N.“, 2002 uraufgeführt. Gerahmt wird die Choreografie von zwei je viertelstündigen Arbeiten ihres Leiters Jacopo Godani, „Echoes from a Restless Soul“ von 2015 und dem neuen „From now on“. Zwei Pausen längen den Abend auf eineinhalb Stunden.

Forsythes große Stücke kann die Nachnachfolger-Company schon mangels Masse nicht zeigen, aber das munter-vertrackte, intrikate, verspielte „N.N.N.N.“ passt sich vorzüglich zwischen den zwei dezent glitzernden, neoklassischen Godani-Choreografien ein. Mit Armschlenkern und den eigenen Arm am Handgelenk Einfangen beginnt das Quartett, bald verhakelt man sich, umgreift Taille oder Schultern des Nebenmannes, der Nebenfrau, schwingt und schlägt die Arme wieder hoch. Immer mehr verzahnen sich die Gliedmaßen oder die vier Tänzer stieben auseinander. Rasend schnelle Bewegungsfolgen werden von kurzem Atemanhalten gestoppt. Thom Willems Musik ist hier kaum vorhanden, nur ab und zu ein Hauch wie von draußen, so dass der absichtlich hörbare Atem der Tänzer den Rhythmus vorgibt.

Forsythe, der einfallsreiche Forscher im Bewegungslabor, wird in „N.N.N.N.“ aufs Vergnüglichste sichtbar. Godani dagegen, einst Mitglied des Frankfurter Balletts, ist zurückgekehrt zum Spitzentanz in seiner quicken, athletischen Form, mit kippenden und das Gleichgewicht extrem herausfordernden Körpern. Der das Auge mitreißende Fluss ist ihm wichtig. Zwar geht er durchaus auch ins Detail, aber er sucht dabei nicht die neue, bisher ungesehene, ungetanzte Variation.

Wie mit Reflexionen auf tiefblauem Wasser ist die Bühne für „Echoes from a Restless Soul“ grundiert. Auf dem dunkelzart flirrenden Boden zwei Tänzerpaare in dezent glitzernden Höschen oder Oberteilen. Godani verantwortet auch stets Bühne, Kostüme, Licht, und bei der Uraufführung des Abends, „From now on“, lässt er es bunt glitzern bei den vier Frauen, zieht den drei Männern silberglänzende Leggings an.

Gedeckt, edel, leicht melancholisch kommt zum Auftakt die Choreografie von 2016 daher, feinziseliert spielt der Pianist Svjatoslav Korolev Maurice Ravels „Ondine & Le Gibet“.

Am Ende ist dafür „From now on“ als musikalisches und tänzerisches Auftrumpfen und wuchtiger Rausschmeißer gedacht. Godani hat sich zur Begleitung für „Physical Property“ des 1956 geborenen Amerikaners Steven Mackey entschieden, eine heftig Haken schlagende, oft ruppige, schroffe, manchmal unerwartet anschmiegsame Komposition, eingespielt vom Kronos Quartett. Die Musik gibt der Choreografie erheblichen Pep, hilft ihr auf, betont ihre Aufmüpfigkeiten, von denen es bei Godani eben sonst meist nicht viele gibt. Sein Tanz ist geschmeidig und anspruchsvoll, aber doch oft mehr schickes Design als Sein.

Die Musik tut der Bewegung gut, hat den Choreografen vielleicht auch zusätzlich ermutigt, ein flottes Spiel mit Aus- und Eindrehen, mit gestreckten und geflexten Füßen zu spielen. Die Tänzerinnen runden den Rücken und linsen nach oben, die Männer springen und schlenkern mit ihren silbernen Beinen. Plötzlich bildet man eine synchrone Reihe, plötzlich schießt man auseinander oder findet sich kurz zu Paaren. Der Schwung lässt nicht nach, das choreografische Räderwerk schnurrt mitreißend.

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