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Summer Breeze Festival Friedliche Tage voller böser Musik

Das Summer Breeze in Dinkelsbühl: Eindrücke von dem zweitgrößten Metalfestival in Deutschland.

Amon Amarth
Die Viking Metalband Amon Amarth aus Schweden bei ihrem spektakulären Auftritt. Foto: silverdust/summer breeze/wolfgang gauch

Soeben hatten sie ihre 1000. Bühnenshow und erhellten den Nachthimmel über Dinkelsbühl zum Ende ihres mitreißenden Auftritts mit einem Feuerwerk. Damit ihr besonderes Jubiläum mit dem Summer Breeze-Open Air zusammenfiel, mussten die Mittelaltermetaller von In Extremo bereits am ersten Tag als einer von acht angekündigten Überraschungsacts auftreten. Verbesserter Sound, überzeugende Bands und gleich mehrere Überraschungen: Beim 20. Jubiläum des zweitgrößten Heavy Metalfestivals in Deutschland, boten die Veranstalter 120 Bands an vier Tagen auf. Grund genug, dass Männer und Frauen in Schwarz den Flugplatz in der mittelfränkischen Stadt massenweise überfluteten.

Wo sonst meist gut 35.000 Gäste erwartet werden, pilgerten dieses Jahr deutlich mehr Freunde der harten Gitarrenmusik zum „Breeze“. Vor allem vor den Bühnen war das Meer aus schwarzen Bandshirts zu jeder Uhrzeit deutlich weitläufiger als sonst. Selbst unbekannte Bands wie Revocation, Turbobier und Aversions Crown durften fast immer auf ein dankbar wogendes Publikum blicken.

Lediglich am Freitagabend lichteten sich die Reihen vor den Bühnen, als sich die Festivalgänger vor langanhaltendem, strömendem Regen schützten und auf ihre Zelte und Pavillons auf dem Campinggelände achtgeben mussten.

Anders als in anderen Teilen Süddeutschlands hielt sich der Sturm in Dinkelsbühl noch in Grenzen. Jedoch reichte das Unwetter aus, um das Festivalgelände am nächsten Tag in einen riesigen Schlammacker zu verwandeln. Kein Hindernis für die Metalfans, die problemlos mit ihren Springerstiefeln durch den Matsch wateten.

Schon am zweiten Festivaltag erlebten die Metaller mit dem pompösen Auftritt der Viking Metalband Amon Amarth den eigentlichen Höhepunkt. Die Schweden beeindruckten die Zuschauer, die sich dicht vor der Bühne drängten, mit einer ebenso aufwendigen wie abwechslungsreichen Bühnenshow. Dazu die in der Tat astreine Vertonung des epischen Liedguts, ließ selbst ewige Pessimisten verstummen.

Bei all der harten und vermeintlich bösen Musik ist eine völlig friedvolle Stimmung selbstverständlich, während bei vergleichbaren Veranstaltungen Schlägereien und Schlimmeres schon fast an der Tagesordnung sind. Trotz extensiven Alkoholkonsums meldete die Polizei nur vier Anzeigen wegen Körperverletzung. Wie schon in den Jahren zuvor sorgten dieses Mal 41.500 Besucher für vier friedliche Tage voller böser Musik.

Eine Neuerung war die Anordnung der Bühnen. Standen bisher zwei Hauptbühnen direkt nebeneinander, vereinten die Veranstalter beide diesmal zu einer noch größeren mit einer drehbaren Plattform. Dies ermöglichte wie gewohnt den Wechsel zweier Auftritte innerhalb weniger Minuten. Die Neuerung sorgte auf dem Campinggelände für rege Debatten über Vor- und Nachteile. Für die Veranstalter war es schlichtweg praktisch. Der reduzierte Aufwand verbesserte spürbar die Soundqualität. Selbst in den hinteren Reihen waren die Feinheiten der zahlreichen Gitarrensoli zu hören. Dies ist angesichts der zahlreichen aneinandergereihten Soundchecks und der komplizierten Technik alles andere als selbstverständlich.

Die brachialen Riffs von Heaven Shall Burn brachten die Soundanlage dann doch an ihre Belastungsgrenze, sodass diese einmal für wenigen Sekunden sogar ausfiel. Die Fans der Metalcoreband störte dies wenig. Sie schüttelten zu ihren Lieblingsliedern begeistert die Köpfe und stürmten massenweise in den Moshpitt, den wilden Tanzkreis, der auf Rockkonzerten nicht fehlen darf. Keinerlei technische Probleme gab es dagegen beim Headliner Korn am letzten Abend. Im Gegenteil: Trotz enormer Lautstärke drang der typisch markant scheppernde Bass von Reginald „Fieldy“ Arvizu perfekt durch, ohne andere Klangelemente zu übertönen. Allgemein übertraf Korn die Erwartungen bei weitem. Litt der Ruf der weltweit erfolgreichen US-Amerikaner in den letzten Jahren immer mehr, wurden sie ihrer Rolle als Headliner unbedingt gerecht.

Die Mittelalterspielleute Corvus Corax kamen nicht nur mit Dudelsack und Schalmei daher, sondern hatten auch ein ganzes Orchester mitsamt Chor im Gepäck und sorgten für ein opulentes Spektakel. Ein Metalfestival ist eben weit mehr als nur Krach.

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