Lade Inhalte...

Staatstheater Wiesbaden Tête-à-tête unterm Hakenkreuz

Die Wiesbadener „Arabella“ spielt 1933, in der Zeit der Uraufführung der Strauss-Oper.

Arabella
Mandryka und Arabella. Foto: Karl & Monika Forster

Zweiundzwanzig Jahre nach dem überüppigen „Rosenkavalier“ komponierte Richard Strauss im gleichen Geiste das Schwesterwerk „Arabella“. Also wieder auf ein Libretto Hugo von Hofmannsthals, wieder im schwelgerisch-postromantischen Stil, wieder als Wiener Komödie angelegt, nur mit deutlich weniger Dialektsprache, weniger Klebrigkeit und weniger Verschwendungssucht in der zeitlichen Ausdehnung. „Arabella“ ist mit zweieinhalb mehr oder weniger turbulenten Stunden kompakt und erfrischend kurzweilig.

Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, hat für sein Haus jetzt eine neue „Arabella“-Inszenierung erarbeitet. Mit Strauss hatte er sich 2014 auch als Intendant in Wiesbaden vorgestellt, seine „Frau ohne Schatten“ wurde hoch gelobt. „Der Rosenkavalier“ in Dresden, „Elektra“ in Wien, Laufenberg bringt einige Erfahrung für diesen Komponisten mit. Und auch „Arabella“ jetzt kann als gelungen bezeichnet werden, auch wenn sie einige Fragen offen lässt.

Die Handlung spielt im Wien der 1860er Jahre, es geht um ein (oder eigentlich zwei) Mädchen aus einstmals gutem, jetzt verarmten Hause und die Frage, was in Sachen Ehemann geregelt werden könnte. Kein Vergleich zu den progressiven Opern „Salome“ und „Elektra“. Auch irritiert mit Blick auf die arglos private Handlung das Uraufführungsjahr: 1933, das Jahr, in dem auch Richard Strauss sich mit den Nationalsozialisten einließ.

In Wiesbaden sind die Protagonisten und das Bühnenbild in Wiesbaden gezeichnet nach der Mode der Entstehungszeit. Die SS marschiert auf der Bühne kurz auf, dezent zwar im Hintergrund, doch auch Hakenkreuze sind zu sehen – nämlich in einer geschickt montierten Videoprojektion zum Vorspiel des dritten Aufzugs, in dem zunächst Opernprotagonisten durch ein Hotel irren – man dankt im Programmheft dem Nassauer Hof nebenan –, sich dann eine fleischige Liebesnacht ereignet, die dieser Oper ein FSK 16 einbringen könnte und schließlich originale Filmsequenzen aus Vorkriegs-Orchestergräben und NSDAP-Kundgebungen sich mischen mit dem Strauss-Sound.

Nicht weniger als 18 Rollen sieht „Arabella“ vor, und in Wiesbaden sind sie gut bis exzellent besetzt. Sicher, Sabina Cvilak ist eine wunderbar sinnliche Titelsängerin mit angenehm elegischer Note, aber in Katharina Konradi als Arabellas Schwester Zdenka bekam sie hier eine kaum zu überbietende Konkurrenz. Die Sopranistin aus Kirgisien sang sich mit Temperament, Höhensicherheit, Frische und heller Leichtigkeit in die Herzen, das war Richard-Strauss-Gesang vom Innigsten.

Erstklassig auch Thomas Blondelle als Matteo, ein ebenso strahlender wie beweglicher Tenor und der Buffo-Bass des Wolf Matthias Friedrich als Vater. Aaron Cawley sang so martialisch, wie es der strammen Haltung des hier Uniform tragenden Grafen Elemer gebührt, der Bariton von Ryan McKinny als Mandryka blieb eher unscheinbar. Ihm wurde als einzigem der opulente Strauss-Orchesterklang gefährlich, den GMD Patrick Lange nur selten allzu phonstark von der Leine ließ. Meistens blieb der Ton kontrolliert und dennoch potent. Warm das Blech, wohlklingend die offenen Streicher-Soli, die technisch heikel sind und die scheußlich klingen können in zweitklassiger Ausführung. Hier war durchweg Klasse eins zu hören.

Die Ballszene des zweiten Aufzugs: Sie hatte etwas Künstliches, erzwungene Heiterkeit, Zitat von Operette. Ein unlustiges Fest, da mochte die superbe Gloria Rehm als Fiakermilli noch so sehr die Can-Can-Beine schwingen. Auch beim Finale, dem „erregten tête-à-tête im Stiegenhaus“: Alle achten auf Haltung, nur nicht Vater Waldner, was Fallhöhe herstellt. Viel Statik im Frack, komödiantische Lockerheit sieht anders aus. Ob gewollt oder nicht: Man spürt die Unmöglichkeit von Komödie im Jahr 1933.

Staatstheater Wiesbaden: 14., 17., 23., 29. März. www.staatstheater-wiesbaden.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen