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Simple Minds Eine grelle Matratze auf den Ohren

Wahrscheinlich war es einfach zu heiß: Klangsuppe und allgemeine Mattigkeit beim Simple-Minds-Konzert in Mainz.

Simple Minds gehört zu den Bands, von denen einmal einiges zu erwarten war. In den 80ern bewegten sie sich erfrischend frei zwischen rauer, fast punkiger Vehemenz und nicht zu pompösem Pop, sie blieben dabei irgendwie bodenständig, Glasgower Jungs. Frontmann Jim Kerr trat auf mit wandelbarer Stimme und der Ausstrahlung eines redlichen Bühnenarbeiters. Die Schotten hatten ein paar einprägsame Großhits, „Don’t You (Forget About Me)“ zum Beispiel; wie die berühmteren Brüder von U2 engagierten sie sich politisch ein bisschen, besangen „Mandela Day“. Dann, schon in den 90ern, sackten sie vom oberen Star-Mittelfeld ins untere Mittelfeld ab. Es wurde ziemlich still um sie. 

Anfang des Jahres kam ein neues Album (auch auf Vinyl) heraus, das 17. Simple-Minds-Studioalbum mit dem Titel „Walk Between Worlds“ – von den Gründungsmitgliedern, von 1977 sind übrigens nur noch Kerr und Gitarrist Charlie Burchill dabei. In Großbritannien wurde das Album teils bejubelt, teils immerhin gefunden, die Musiker seien auf dem richtigen Weg. Hierzulande wurde es kaum beachtet. Auch in Deutschland war die Band jetzt zwar offiziell auf „Walk Between Worlds“-Tour, doch auf der Mainzer Zitadelle, beim vom Frankfurter Hof veranstalteten Summer in the City, gab es unter 19 Titeln nur drei der neuen Songs. Die sich ganz unauffällig einfügten. 

Sie fügten sich vor allem deswegen unauffällig ein, weil der Sound an diesem brühheißen Abend – die Hitze mag durchaus eine Rolle gespielt haben beim Equipment, bei den Musikern sowieso – versuppte. Jim Kerr war fast gar nicht zu verstehen, die Wörter flossen zusammen, die Texte bildeten einen Lautbrei, mal lauter, mal plötzlich leiser. Auch das war seltsam. Die Gitarren – neben Burchill gespielt von Ged Grimes und auch immer wieder Gordy Goudie, der zwischendurch am Keyboard stand – legten einem eine grelle, schwere Schaumstoffmatratze über die Ohren. Und Drummerin Cherisse Osei gab sich furios, aber auch ihr Einsatz wirkte eintönig. 

Wie ermattet war die Band, ohne Trennschärfe und Präzision, ohne Kanten und Überraschungen. Und Jim Kerr fiel nichts anderes ein, als gefühlte 83 Mal und ohne allzu großen Enthusiasmus zu bitten: „Let me see your hands“. Dann raffte sich das durchaus zahlreich erschienene Publikum jeweils auf, stellte das anstrengende Mitklatschen aber schnell wieder ein. 

Ein munterer junger Mann mit durchaus interessanter Stimme trat als Support auf: Jemand hatte Malik Harris gesagt, er müsse als Newcomer ganz oft seinen Namen sagen, das tat er also. Dann stiegen die Simple Minds mit einem der irgendwie doch auch altbekannt klingenden neuen Songs ein, „The Signal and the Noise“, dann mit dem einstigen Hit „Waterfront“. Eine Videowand bot hinter der Band Regenbogenfarben-Signale oder ein Stück nächtliche Stadt am Wasser, Glasgow vermutlich, oder Funkensprühendes. 

Doch von der Bühne kam an diesem Abend nichts ähnlich Spritziges. Zuhause freute man sich dann über Jim Kerrs nuancierte, ausdrucksvolle Stimme aus der (CD-)Konserve. 

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