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Schloss Johannisberg Variationen über innige Themen

Die Pianistin Ragna Schirmer und der Sprecher Christian Brückner mit einem Rheingau-Abend über Clara Schumann.

Christian Brückner
Christian Brückner, als Rezitator auf Schloss Johannisberg beim Rheingau Musik Festival. Foto: Foto: Ansgar Klostermann/RMF

Im kommenden Jahr, da ist sich Ragna Schirmer sicher, wird Clara Wieck-Schumann ein großes Thema werden. Endlich (und weil die große Öffentlichkeit sich doch so gerne an runden Zahlen orientiert) wird das 200. Todesjahr der außergewöhnlichen Pianistin den Anlass dafür liefern. Einen Vorgeschmack gab Ragna Schirmer jetzt mit einem musikalisch-literarischen Abend auf Schloss Johannisberg, der dem Lebensweg der Jubilarin nachging. Christian Brückner begleitet die Pianistin mit seiner markanten Stimme, wir hören von ihrer Liebe zu Robert Schumann und der engen Verbindung mit Johannes Brahms, Auszüge aus Briefen und Tagebüchern. Schirmer untermalt und akzentuiert die Lesung mit Werken von Clara, ihrem Mann und dem gemeinsamen Freund Johannes Brahms.

Für die Pianistin Schirmer ist die Person Clara Schumann längst zu einem Lebensthema geworden. Mit Akribie hat sie jüngst die Konzertzettel (über 1400!) ausgewertet, die Clara alle aufgehoben hat, und kann so nachvollziehen, wie vielschichtig das Repertoire der gefragten Pianistin war. Ein breites Spektrum von Bach und Händel über – natürlich – Schumann bis hin zu damals ganz neuen Werken. Ihr rhapsodisch stürmisches Klavierkonzert op. 7 schrieb sie mit 15 Jahren und spielte selbst die Uraufführung im Gewandhaus Leipzig unter Felix Mendelssohn. Demnächst wird Ragna Schirmer damit beginnen, in lockerer Folge bis zum Ehrentag im September 2019 musikalische Soiréen „à la Madame Schumann“ nachzustellen.

Im Rheingau spielt sie „Liebe in Variationen“ leichthändige Variationen über innige Themen, ergänzt um Variationen von Brahms – Zeugnisse einer tiefen Künstlerfreundschaft. Leider nicht auf dem Blüthner-Flügel von 1856, der auf der CD-Einspielung des Programms erklingt, im Metternich-Saal steht ein kräftig auftrumpfender Steinway. Ausgehend von Claras „Romance variée“, jenem Motiv, das die junge Frau an den verehrten „Mons. Robert Schumann“ sandte, erklingt das Thema der Verliebten in immer neuen Variationen: „Clara und ich. Ich und Clara“ – so nehmen Schumanns „Impromptus über ein Thema von Clara“ den Gruß der jungen Dame geschmeichelt auf.

Einen sehr lebhaften Kontrapunkt setzen dann fünf der „Kindeszenen“, die Schumann 1838 komponierte mit einem geradezu jazzig gespielten „Ritter vom Steckenpferd“ als kräftigem Schlusspunkt. Zum Ende hin dann werden die Klänge düsterer, die Themen ernster. Geschuldet der Krankheit, die immer mehr Macht über Schumann gewinnt. Sorgen und existentielle Ängste, die Clara Schumann hier in ihren Briefen an Johannes Brahms anstimmt. Mit Brahms hatte sie in den Jahren der Krise eine Stütze gefunden. So endet denn auch der Abend mit einem dunklen Adagio aus den Brahms-Variationen, gleichsam ein Abschied in Noten.

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