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„Schiller“ in Teheran „Es ist einfach eine andere Welt, Punkt.“

Christopher von Deylen im Interview: Der Musiker ist mit seinem Projekt „Schiller“ in Teheran aufgetreten – als erster westlicher Popmusiker seit 39 Jahren.

Christopher von Deylen von Schiller live im Mehr Theater Hannover 09 11 2017 *** Christopher fro
Christopher von Deylen von Schiller, hier bei einem Konzert in Hannover. Foto: Imago

Christopher von Deylen, Sie sind gerade aus Teheran zurückgekommen, wo Sie mit Ihrem Musikprojekt Schiller aufgetreten sind. Und zwar als erste westliche Popband seit der islamischen Revolution. Wie kam es dazu?
Dass es das erste Konzert seit 39 Jahren ist, wurde mir erst bewusst, als ich schon in Teheran war. Für die Vorbereitungen war das allerdings völlig unerheblich. Das hat die Gänsehaut, die ich sowieso schon hatte, nur noch einmal verstärkt. Vor vier Jahren bekam ich die erste E-Mail von dem Veranstalter, der jetzt die Konzerte durchgeführt hat. Es gäbe eine große Anzahl von Schiller-Fans im Iran, ob ich dort nicht mal spielen wolle? Entsprechende Genehmigungen vom Innenministerium lägen bereits vor. Ich war durchaus verblüfft. Es gibt immer mal wieder Anfragen aus dem Ausland, teilweise auch obskurer Art. Und auch diese verlief erst mal, wie so oft, im Sande. Aber genau in dem Moment, als ich mich im August 2017 auf die „Klangwelten“-Tour in Deutschland und Europa vorbereitet habe, kam wieder eine Mail aus Teheran: Man würde dann jetzt gerne im Dezember fünf Konzerte in Teheran veranstalten. Ich habe selbstverständlich sofort Ja gesagt.

Gab es gar keine Hürden?
Nein, Hürden gab es keine. Meine Vorfreude war unglaublich groß. Ich wusste natürlich nicht, was mich bei den Konzerten erwartet, aber die Neugier hat wie so oft gesiegt. Am Ende hat mich die euphorische Reaktion des Publikums und die Gastfreundschaft unserer Veranstalter vollkommen sprachlos gemacht.

Sie sind mit Schiller viel gereist, von der Mojave-Wüste bis zur Arktis. Waren Sie zuvor noch nie im Iran?
Doch, vor zehn Jahren. Als ich mit dem Auto von Berlin nach Kalkutta gefahren bin, habe ich knapp zwei Wochen im Iran verbracht. Nicht in Teheran, aber in anderen Regionen. Daher wusste ich, dass der Iran zu den Ländern gehört, bei denen die vermeintlich aufgeklärte Außenwahrnehmung und die Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Was man selbst als interessierter Zeitungsleser glaubt über den Iran zu wissen, hat sehr wenig zu tun mit dem, was man dort in der Realität vorfindet. Die gut gemeinten Ratschläge vor meiner Abreise, ich solle bloß aufpassen, dass man mich nicht am nächsten Baukran aufgehängt, habe ich geflissentlich überhört (lacht).

Die kamen wohl von Leuten, die zu viel „Homeland“ geguckt hatten ...
... genau. Natürlich gibt es, wie in vielen anderen Ländern auch, finstere Kapitel in der Geschichte des Iran. Nachrichtenbilder, die sich gerade auch meiner Generation sehr eingeprägt haben. Aber man darf nicht vergessen, dass die 40, 50 Jahre alt sind. Die positive Stimmung, in der wir uns dort wiederfanden, war entwaffnend. Andererseits sind die meisten Menschen im Iran sehr stolz und selbstbewusst. Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass dort ein Volk nur darauf wartet, möglichst schnell genau den gleichen sogenannten „way of life“ zu leben, von dem wir glauben, er sei das Maß aller Dinge.

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