Lade Inhalte...

Rufus Wainwright Sex und Küche

Rufus Wainwright mit einem hinreißenden, aufgeräumten im Frankfurter Palmengarten zur Eröffnung des „Summer in the City“.

Rufus Wainwright allein am Klavier – man darf nicht meinen, dass ihm da die Opulenz abgeht. Der legitime Erbe von Popgrößen wie Brian Wilson und Scott Walker braucht nicht das bei ihm sonst übliche halbe Dutzend Musiker auf der Bühne oder die oft weitaus größeren Besetzungen der Arrangements für die Studioeinspielungen, um eine pompöse musikalische Szenerie zu schaffen.

Die Sentenz vom Klavier, in dem ein ganzes Orchester stecke, nimmt der in New York lebende Musiker bei seinem Solotourkonzert zur Saisoneröffnung des vom Mousonturm ausgerichteten kleinen Festival im Frankfurter Palmengarten beim Wort. Viel Stakkatospiel. Und gerne auch mal donnernde dramatische Effekte zum Ende mancher Songs. Der tremolofreudige Gesang mit den weit ausschwingenden melodischen Bögen und einem raffiniert dosierten Hall tut ein Übriges. Gelegentlich wechselt Wainwright an die akustische Gitarre. Die eindrücklicheren Momente gelingen ihm entschieden am Klavier.

Diesmal nichts mit Federboa und Stringtanga oder jenen bejohlten Auftritten als Dragqueen mit Engelsflügeln, für die der Mann berühmt ist, der sich in einem seiner Songs als der „Gay Messiah“ apostrophiert hat. Das Outfit: ein für seine Verhältnisse dezenter goldschimmernder Westen-Zweiteiler mit Pluderhose.

Die Solotour stellt wohl eher eine Überbrückung dar. Macht aber nichts. Für das Frühjahr, erzählt er, ist eine Tour zum 20. seines Debütalbums „Rufus Wainwright“ vorgesehen, bei der auch das zweite Album „Poses“ abgehandelt werden soll. Im Moment nimmt er ein neues Popalbum auf. Er spielt ein paar der Songs: Ein Glück, er kann noch tolle Popsongs schreiben. Nachdem er zuletzt mit Annäherungen an die „Klassik“ – korrekter gesprochen: die musikalische Romantik – belegt hat, dass auch er keinesfalls zum heutigen Verdi oder Puccini taugt.

Im Hause Wainwright-Weisbrod – so heißt der deutsche Mann, mit dem er verheiratet ist – scheint es recht beschaulich zuzugehen. In älteren Songs hat Wainwright häufiger von schwulem Sex gesprochen. In „Peaceful Afternoon“ liegen Sex und „trying to keep the kitchen clean“ eng beieinander. Ein Kuriosum am Rande ist der als Rap zu eingespielten HipHop-Beats vorgetragene Anti-Trump-Song eines befreundeten Rappers, zu dem Wainwright die Musik geschrieben hat. Die Folkmelodie „Candles“ vom letzten, auf das Jahr 2012 zurückgehenden Popalbum „Out of the Game“ singt er a cappella. Die beiden Leonard-Cohen-Songs „So Long, Marianne“ und „Hallelujah“ klingen wesentlich weniger dunkel als die Originale.

Stehende Ovationen am Ende – für einen so aufgeräumten wie hinreißenden Abend.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen