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Rosenserenade im Palmengarten Mit faunischem Kontrapunkt

Eine vielfältige Rosenserenade im Frankfurter Palmengarten und mit Kakadu-Begleitung.

Frankfurt am Main – die Stadt als Bananen- und Rosenrepublik zugleich: auf der Bockenheimer Landstraße eine endlose Reihe von Tischen mit Abertausenden von Bananen für den Calciumbedarf der Läufer beim J. P. Morgan-Firmenstadtlauf. Derweil an der Ecke Siesmayerstraße – im Palmengarten – 6000 Rosen für das Rosenfest aufgesteckt sind. Das traditionelle, florale Großereignis der Stadt aus Farben, Formen und Düften der Synthese aus Kunst und Natur. Es wurde eröffnet mit der Rosenserenade im Gesellschaftshaus des Palmengartens.

Dort trat das Aris-Quartett gemeinsam mit dem Klarinettisten Thorsten Johann auf. Mozart, Weber, Widmann: Musik aus drei Jahrhunderten, verklammert durch das selbst bei neu-tönerischer Musik immer irgendwie gerundet, moderiert und eloquent klingende Instrument, dem Mozart mit seinem Klarinettenquintett KV 581 einen hochbedeutsamen Rahmen in Gestalt einer ganzen Streichquartettformation gebaut hat.

Ein Vorgang, den sich 26 Jahre später Carl Maria von Weber mit seinem Klarinettenquintett op. 34 zu eigen gemacht hat. Man mochte es bei der Rosenserenade, die gemeinsam von Palmengarten und Alter Oper veranstaltet wurde, kaum glauben, dass nahezu eine Generation zwischen den beiden Werken liegt. So ähnlich in Gestalt und Gestus waren die beiden Kreationen. Die rhetorische Kontinuität lag sicher auch an dem verbindlichen, sich in gerundeter, homogenisierender Gestalt ergehenden Spiel Thorsten Johanns, der souverän und mit sprechender Mimik im Kreise seiner Streicher-Kollegen agierte. Das solistische Zentrum war von den beiden Komponisten oft mit theatralischer Note ausgestattet und bot eine entsprechende Aufmerksamkeitszentrierung.

Zu Beginn konnte man das Aris-Quartett, das 2009 in Frankfurt gegründet wurde, als eigenständige Formation in fließendem, körperlichem Ton erleben mit Mozarts „Jagd-Quartett“ KV 458. Weniger scharf eingestellt auf Mozarts Spiel mit diversen Stimmungsbrüchen als vielmehr in gebundener, drängender und dichter Faktur.

Die Pause im Palmenhaus setzte mit dem gewaltigen Krächzen, Schreien und Gekollere von zwei Kakadus einen faunischen Kontrapunkt, der ungewollt beziehungsreich für Jörg Widmanns „Fantasie für Klarinette solo“ aus dem Jahr 1994 war. Die kleine imaginäre Commedia dell’arte-Szene des damals 21-jährigen Komponisten mit ihrem rollenden und keckernden Gespreize und Gebeuge: im Rahmen von Klangartenvielfalt war das eine artistisch noble und zivile Parallelaktion zu den gefiederten Schreihälsen von nebenan.

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