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Rolling Stones Die Zeit wartet nicht

Voraussichtlich zum letzten Mal: Die Rolling Stones sind unterwegs und machen Station im Berliner Olympiastadion.

Rolling Stones
„How does it feel?“, fragt man sich unweigerlich, während Mick Jagger (l.) und Keith Richards wie immer sind, nur älter. Foto: afp

Nach dem unschlagbaren Auftakt mit „Street Fighting Man“, „It’s Only Rock’n’Roll“ und „Tumbling Dice“ beginnt so etwas wie der künstlerische Teil des Konzerts, zwei, drei Nummern, die wenigstens etwas aus dem Rahmen der Hitparade fallen. „Just Your Fool“ – der neueste und zugleich älteste Song des Abends – stammt von ihrem Album „Blue & Lonesome“, auf dem die Rolling Stones vor gut zwei Jahren ihren Heroen huldigten. Die Bühne ist jetzt fast völlig dunkel, auf den Screens Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit Szenen aus dem schwarzen Süden, die historische Folie ihrer Kunst.

Jagger bläst die Mundharmonika nicht, er bluest sie sozusagen, es ist ein schönes Stück Selbstbehauptung, aber das Olympiastadion ist kein Bluesklub und so verpufft die Hommage leider. Das Dylan-Cover „Like a Rolling Stone“, bei dem Mick Jagger einmal ganz allein im Publikum steht, die Arme schwenkt und alle artig mitschwenken, bietet den Anlass über die Zeile „How does it feel“ nachzudenken. Wie muss man sich fühlen, als lebenslanger Dompteur der Massen, hier in diesem historischen Rund und überhaupt. Dann folgt „She’s a Rainbow“, ein Titel, den sich die Berliner angeblich gewünscht haben. Vieles, was sich Stones-Liebhaber seit Jahrzehnten wünschen, spielen sie nicht, haben sie noch nie gespielt. Ganz oben auf diesen Listen rangiert „Time Waits For No One“. Die Zeit wartet auf niemanden.

Zumindest für jene, die schon öfter dabei waren, hat jedes Stones-Konzert auch diese erschütternden Momente, in denen man sich des Verrinnens dieser Zeit bewusst wird. Da sieht man sich dort unten in den Menge stehen, an einem heißen Junitag vor 28 Jahren, „Start Me Up“, zum ersten Mal im Leben. So wie damals wird es nie wieder sein. Wem die Stones nicht nur ein Showact sind, sondern ein Moment der Biografie, kann sie gar nicht hören, ohne dabei sich selbst zu begegnen. Die Erinnerung, deren Schleier sich hier und da hebt, schenkt diesen Konzerten bei allem Bühnenzauber immer auch eine melancholische Note.

Was gibt es noch zu sagen? „Sympathy For The Devil“ ist von brachialer Gewalt, „Midnight Rambler“ von epischer Größe, „Miss You“ leider ein Durchhänger, und „Jumpin’ Jack Flash“ wird die Essenz der Rolling Stones in diesem „teuflischen Ausbruch voller roher, treibender Kraft“, wie es einst ein Kritiker schrieb, bis in die Ewigkeit tragen. Manches deutet darauf hin, dass dies das letzte Konzert im Olympiastadion gewesen sein könnte. Charlie Watts will eigentlich nach jeder Tour aufhören. Die Zeit wartet nicht. Am Ende steht „Bis bald“ auf der Anzeigetafel. Wo auch immer.

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