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Roger Waters Auf der dunklen Seite

Die Berliner Show von Pink-Floyd-Legende Roger Waters endet mit einem Eklat.

Roger Waters
Roger Waters, hier bei einem Konzert im Staples Center von Los Angeles im Juni 2017. Foto: rtr

Als Roger Waters in einer Denkpause vor der Zugabe einen Zettel aus der Tasche zieht, auf denen er sich ein paar Sätze fürs Publikum aufgeschrieben hat, darf man nicht mit dem Üblichen rechnen. Toll wieder in Berlin zu sein, das ist nicht seine Agenda. In Wien hatte er gegen den Rechtsruck in Europa gewettert, für den er Bundeskanzler Sebastian Kurz mitverantwortlich macht, in Zürich die Schweizer Wohlstandsgesellschaft kritisiert – und stets ging es auch um Palästina. Wo immer Waters dieser Tage auftritt, nutzt er die Bühne, um die Politik Israels gegenüber den Palästinensern in den besetzten Gebieten anzuprangern. 

Darauf musste man vorbereitet sein. Vor dem Konzert hatte ein Grüppchen BDS-Aktivisten am Halleneingang Flyer verteilt. „Lieber Roger Waters“, steht da geschrieben, wir, Deine Fans von BDS Berlin, freuen uns darüber dass Du mit uns zusammen für die Rechte der Palästinenser*innen einstehst...“ 

Der Mitbegründer der Rockband Pink Floyd gilt seit etlichen Jahren als prominenter Wortführer von anti-israelischen Bewegungen wie „Artists for Palestine“ oder BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen), die zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Boykott des Landes aufrufen, das von einigen Aktivisten der Organisation mit antisemitischen Untertönen vorgetragen wird. Wegen dieses Engagements hatten sich fünf ARD-Anstalten, darunter auch der RBB, im November dazu entschlossen, die Konzerte der Deutschlandtournee von Roger Waters weder zu promoten noch zu übertragen.

Die Ansprache, die der ebenso streitbare wie umstrittene Musiker am Freitagabend in der Berliner Mercedes-Benz-Arena am Ende seines (fantastischen) Konzertes hielt, hat die Befürchtungen bestätigt. Er habe gehört, dass es neuerdings einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung gäbe, beginnt Waters. Er hat sich extra den Namen notiert: Felix Klein. Großartig, ganz toll. „Antisemitismus ist obszön“, ruft er theatralisch ins Publikum. Um sich dann in eine ungefähr fünfminütige Wutrede hineinzusteigern, deren Inhalt man kaum folgen kann. Er fordert „diesen Felix Klein“ auf, den BDS nicht länger zu kriminalisieren, er erinnert an die Erklärung der Menschenrechte bei der Pariser UN-Konferenz von 1948: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Also auch die Palästinenser.

Im Rund der Halle werden vereinzelt PLO-Tücher geschwenkt. Es gibt aber auch Pfiffe, als Waters beginnt, eine Meldung des Tages vorzulesen, in der die Willkür der israelischen Siedler gegenüber der Bevölkerung im Westjordanland thematisiert wird. Einige Leute verlassen den Saal. Es folgt der letzte Song des Abends, „Comfortably Numb“. Jubel, Applaus, Irritation.

Es ist erstaunlich, wie gut informiert Waters über deutsche Innenpolitik ist. „Ich halte BDS für eine antisemitische Strömung, deren Aktivitäten ich scharf verurteile“, hatte der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein unlängst im Gespräch mit der „Jüdischen Allgemeinen“ geäußert. „Mit ihren Boykott-Forderungen gegenüber Israel agiert sie mit Argumentationsmustern aus der Nazizeit, die schlichtweg unerträglich sind.“ 

Roger Waters steht es frei, Israels repressive Politik gegenüber den Palästinensern zu kritisieren. Das tun auch viele Israelis, darunter prominente Schriftsteller und ehemalige Geheimdienstchefs. Doch beim BDS sind die Grenzen zwischen der Kritik an der israelischen Besatzung und manifestem Judenhass fließend. Der BDS hatte im vorigen September arabische Musiker dazu genötigt, Auftritte beim Pop-Kultur-Festival in Berlin zu stornieren, weil dort auch jüdische Künstler geladen waren, deren Reisekosten von der israelischen Botschaft übernommen wurden. Und auch für dieses Jahr gibt es schon erste Absagen. Es ist die eine Sache, selbst politische Position zu beziehen und eine andere, sie mit Macht seinen Kollegen oder eben auch Zuhörern diktieren zu wollen. 

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