Lade Inhalte...

Rodgau Monotones Sie wollen niemals auseinandergehen

Ein ausführliches Konzert in Offenbach mit vielen Gästen zum 40. Geburtstag der Rodgau Monotones.

Peter Osterwold und Kerstin Pfau
Seit 40 Jahren auf der Bühne: die Rodgau Monotones. Foto: Renate Hoyer

Irgendwann zwischen 70ern und 80ern, Mehrzweckhalle Urberach. Die örtliche Volksbank präsentiert der Kleinstadtjugend die Rodgau Monotones. Von ZZ Top kennt man Bärte, von den Rodgaus alle Texte: Heimathelden. Knapp 40 Jahre später, proppenvolle Offenbacher Stadthalle. Jetzt wird klar, was die Rodgaus meinen mit „unsere erste Probe war geil und laut, wir ham Bier getrunken, ZZ Top geklaut“. Bluesrockriffs grundieren, Mob Böttcher (Drums) und Joky Becker (Bass) treiben den Boogie, Bläsersätze schneiden scharf wie 80er-Bügelfalten. Die Stimme von Peter Osterwold raspelt wie Ian Gillan, dem er in seinem Zweitprojekt Die Bärbel im Rock huldigt, Kerstin Pfau ist das weibliche Gegenstück.

Nur die Texte verraten, dass der Proberaum an der Rodau liegt statt am Golf von Mexiko: Deutsch mit oft als „hessisch“ verkannter Färbung, die Sprachwissenschaftler als die im östlichen Kreis Offenbach gängige Variante des mainfränkischen Idioms identifizieren. Am anderen Ende des Repertoires klamaukiger Schlager, gepflegte Festzelthaftigkeit.

Musik als Teil eines Lebensentwurfs

Die Balance zwischen handwerklich Hochkarätigem – Gitarrist Ali Neander ist einer der gefragtesten Session-Musiker zwischen Odenwald und Kasseler Bergen, Kollege Raimund Salg steht ihm kaum nach – und dem Unernst südhessischer Kerbborsche prägt den Charme der „Monotones“. Sie haben Tagesjobs als Designer oder Instrumentenbauer oder sind in Rente, die Musikkarriere war immer (nur) Teil ihres Lebensentwurfs.

Zum 40. Jubiläum sind Gäste gekommen. Die Biebesheimer Alphornbläser eröffnen. Keyboarder, Schlagzeuger und Saxofonisten aus der Geschichte der Band wechseln. Roy Hammer von den Pralinées singt „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Lothar Pohl von den 2012 aufgelösten Crackers sollte „was Altes“ mitbringen und röhrt „Nessun Dorma“, bevor er zur „Klassenfahrt zum Titisee“ aufbricht.

Natürlich ist Henni Nachtsheim da, der die Band 1990 verließ, weil der Erfolg von Badesalz mit Gerd Knebel zu viel Zeit raubte. Beide liefern eine geniale A-cappella-Version von „Happy“. Olaf Mill und Seppl Niemeyer von „Flatsch“ kommen dazu, geben den Rodgaus mit „Alles guude zum Geburtsdaach“ ein Ständchen und dem Abend mit „Das war die guude alde Zeit“ seine Hymne. Auch Stoppok ist dabei, und später setzt Wolfgang Niedecken von BAP mit „Verdamp lang her“ der Nostalgie einen drauf.

Die Rodgaus zelebrieren dreieinhalb Stunden Bandgeschichte, von „Ei gude wie“ über „Hallo, hier kommt Hermann“ bis „Ein Leben für Lärm“ und „Mama lauder“. Ausführlich die „Rodgau Night Of The Prolls“: rotweiße Fähnchen zu „Land Of Hope And Glory“ und einer zu „Susi ist die Pest“ übersetzten Version von John Miles’ „Music“.

„Saint Tropez am Baggersee“, „Frach misch net“, „Kleiner Pirat“, „Volle Lotte“ und die unheimliche Hessenhymne „Erbarme“: nichts fehlt. In den Zugaben singt Kerstin Pfau ihr „frauenfeindliches AC/DC“-Stück selbst: Die Halle grölt „Highway To Hell“ textsicher mit – auch, als es zu „Wir wollen niemals auseinander geh’n“ mutiert.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen