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Rock Der rechtmäßige König des Grunge

Nachruf auf Chris Cornell, Sänger und Songschreiber von Soundgarden, der 52-jährig in Detroit gestorben ist.

Chris Cornell
Chris Cornell, 2014. Foto: epa

Von Rechts wegen war Chris Cornell die Stimme seiner Zeit. Wenn es fair zuginge auf der Welt, dann gälte Chris Cornell heute als die große Stimme des Grunge. Aber weil die Welt ungerecht ist, sang sich Eddie Vedder mit immer und immer wieder neuen Pearl-Jam-Alben in den Fokus, Kurt Cobain ging spektakulär von uns und von Nirvana, so dass für Chris Cornell nur der gefühlte dritte Platz blieb.

Cornell war der Sänger der Band Soundgarden. Sehen Sie sich auf Youtube das Video zu „Black Hole Sun“ an, lassen Sie sich Tränen in die Augen treiben von diesem genial irren und preisgekrönten Film, von diesem fantastischen Song, stimmen Sie der These zu, dass Cornell einfach großartig singt. Hören Sie danach „Spoonman“, dann „Fell On Black Days“, alles vom 1994er Album „Superunknown“, das gerechterweise superbekannt wurde, in den USA auf Platz 1 landete und weltweit neun Millionen Mal verkauft wurde.

Der Sänger Cornell, 1964 in Seattle geboren, Sohn einer Buchhalterin und eines Apothekers, hatte diesen Tonfall, der zur zornigen Grunge-Stimmung der 90er Jahre im äußersten Nordwesten der USA perfekt passte. Oft begann er seine Songs mit einem bedrohlichen Unterton: „Was ich immer befürchtet habe, ist erweckt worden. Was ich immer bekämpft habe, ist jetzt mein Leben. Gerade als mich der Alltag mit einem Lächeln zu begrüßen schien, verschwand der Sonnenschein, und jetzt sitze ich hier, weil ich in dunkle Zeiten gefallen bin.“ Anschließend konnte er alles herausbrüllen, was gerade anfiel: „Komm nicht hierher und piss vor meine Tür!“

Als sich Soundgarden 1997 auflöste, zog Cornell Solopflänzchen, gründete mit Ex-Mitgliedern von Rage against the Machine das Projekt Audioslave und kam sogar in den Genuss eines eigenen Bond-Songs: „You Know My Name“ war Titellied von „Casino Royale“ (2006). Seit der Reunion 2010 war Cornell wieder Sänger bei Soundgarden; das jüngste Album „King Animal“ hatte 2012 ordentlich Erfolg,

Jahrelang hörte man von Alkohol- und Drogenproblemen Cornells; zuletzt hieß es, sie seien überwunden. Woran er am Mittwoch 52-jährig starb, ist nicht bekannt. Stunden zuvor hatte er in Detroit auf der Bühne gestanden. Sein geplanter Auftritt in Columbus, Ohio, an diesem Freitag war ausverkauft.

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