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Robyn - Honey Jetzt eindeutiger

„Honey“, das neue Album von Popstar Robyn erscheint.

Musik
Robyns Geschichten bleiben nun öfter an der Oberfläche. Foto: Heji Shin

Man kann sagen, Robyn ist der Lieblingspopstar anderer Popstars. Von Lorde bis Carly Rae Jepsen haben sehr viele immer wieder betont, wie wichtig ihr Einfluss ist. Robyn hatte schon eine Karriere gestartet mit Max Martin, dem schwedischen Hitproduzenten, der sehr viele riesige Songs komponierte in den letzten Dekaden und den Sound des Mainstreams nachdrücklich prägte – nicht zum Schlechten. Das war Mitte der 90er, sie war damals sechzehn Jahre alt, sie klang älter als jetzt und mehr nach R & B. Dann gab es Jahre der Funkstille, die Geschichte, die vermeldet wurde, war, dass Robyn sich dagegen entschied, diesen Weg weiterzugehen.

Stattdessen gründete Robyn ihr eigenes Label Konichiwa Records, sie kam wieder mit dem besten Haarschnitt ever und einem der besten Popalben der letzten 20 Jahre, „Robyn“. Auch schon zehn Jahre her ist die Reihe von EPs namens „Body Talk 1-3“. Wäre sie abhängiger geblieben, bei der großen Plattenfirma und mit etwas mehr Marktforschung im Hintergrund, dann wäre Robyn jetzt wohl so groß wie Katy Perry oder Taylor Swift. Schlecht wäre die Musik mutmaßlich immer noch nicht, aber Alben wie die genannten wären unwahrscheinlich gewesen. Zu divers, zu schräg, zu viel Widersprüche in einen Song gepackt, zu progressive Rollenangebote.

Robyn nahm in den vergangenen 15 Jahren den Sound vorweg, der dann kluge Leute wie Lorde beeinflussen sollte, sie nahm die Styles auf die Bühne mit, die jetzt (wieder) Menschen auf der Straße tragen (Bomberjacke, Plateauschuhe, Undercut, Neonfarben). Und Jahre bevor es sich bestens auf T-Shirts drucken ließ, sang sie über die unangenehmen Macker und das Leben als Frau, auch mit eben jenen. Ihre Überzeugungen und ihre politischen Haltungen zeigen sich dabei meist, akademisch gesprochen, im Vollzug: in einer Geschichte.

Ganz großartig ist das in „Dancing On My Own“ in Form gegossen. Dort singt sie von einer gescheiterten Beziehung, ein großer, schwarzer Himmel hängt über ihrer Stadt, sie geht in den Club, da steht er oder sie und küsst eine andere Frau. Und sie ist allein, aber – das ist das Entscheidende – sie tanzt die Nacht durch. Da ist immer noch der Wunsch nach Euphorie in der Trauer. Oder umgekehrt: Da ist viel Verzweiflung im Club.

Der Sound, den Robyn dafür fand, bediente sich vor allem in den 80ern, sie nahm Synthie-Pop und seine Vorstellung einer Zukunft von etwas früher. Das passte auch deswegen so gut, weil viel 80er-Pop zwischen den trockenen und hallenden Drums und den unterkühlten Synthesizern souverän klang, während er von den eigenen Befürchtungen berichtete.

Dass Robyns neues Album „Honey“ zu solcher Größe manchmal in der Lage ist (zum Beispiel dem ähnlich gebauten „Missing U“ oder dem wunderbar smoothen „Ever Again“), aber insgesamt eher enttäuscht, liegt vor allem daran, dass eine solche Spannung aus einerseits musikalischer Form und andererseits Text und Emotion und Stimme hier seltener aufkommt. Anders gesprochen: Robyn wird eindeutiger, einseitiger, die Geschichten bleiben öfter an der Oberfläche.

Im Song „Baby Forgive Me“ haucht sie dieses „Baby“ immer wieder, sie spricht es nicht aus, sie säuselt es und bittet darum, dass dieses „Baby“ ihr – genau! – vergebe. Dazu jammert dann der Bass housig und cheesig und harmlos vor sich hin. Das ist dann doch etwas ungebrochen unterwürfig und vor allem: Es klingt nicht so schön, es fehlt der Drive. Aperol Spritz und weiße Turnschuhe und After Work Parties in hellblauen Hemdchen, das geht jetzt alles damit leichter von der Hand.  

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