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Rhonda „Wire“ Neosoul fürs Herz

„Wire“, das zweite Album der Hamburger Band Rhonda, führt mit dem ersten Eindruck komplett in die Irre, ist aber ein Kunstwerk.

Die tatkräftigen Fünf von Rhonda. Foto: Carlos Fernandez Laser

Das Verrückte ist, dass der erste Eindruck komplett in die Irre führt. Wer sich „Offer“ anhört, den Song, den die Hamburger Neosoul-Combo Rhonda der geneigten Hörerschaft aus ihrem neuen Album vorab präsentiert hat, der sitzt zunächst einmal wie gelähmt davor: Was ist denn das, bitte?

Ein ganz sachter Beginn, Bass und Orgel, sehr leise. Dann diese Stimme, die sofort glockenhellwach macht, voller Soul und mit einem Vibrato, wie man es vielleicht bei Shirley Bassey zum letzten Mal gehört hat. Aber nicht lang, dann kracht eine Gitarre in den bis dahin flirrenden, schwebenden Song, entwickelt sich ein unheilvoll stampfendes Wesen, gekrönt schließlich von Streichern und triumphal einsetzendem Bläsersatz – ein Kunstwerk. Auch und besonders in Kombination mit dem ebenfalls vorab veröffentlichten Videoclip.

Und alles gelogen, irgendwie. Denn „Offer“ ist natürlich nicht der typische Song auf „Wire“ dem zweiten Album des 2012 gegründeten Quintetts. Los geht’s im ersten Track „In My Eyes“ eher Country-beritten, und insgesamt folgt die Platte dem Konzept, das spätestens seit Amy Winehouse und Duffy viele Projekte, am liebsten mit weiblicher Stimme, erfolgreich gemacht hat: Lieder mit Herz und Schmerz, im Stil deutlich an die Sixties angelehnt, mal getragen, mal tanzwütig. Rhonda schafft das fulminant mit dichter und einfallsreicher Instrumentierung – und vor allem mit der Stimme von Sängerin Milo Milone.

Ihre Geschichte ist interessant und auch was fürs Herz: 2012 lösten sich die Garagenrocker Trashmonkeys auf – da spielte Milone noch den Bass. Ein paar personelle Umstellungen später war Rhonda geboren, der Stilwechsel vollzogen und 2014 mit einem ersten Album voller „kleiner schmutziger Soulsongs“ (Milone) garniert, das glänzend ankam. Und jetzt die Passage fürs Herz: Wer Milo Milone im Internet sucht, findet immer noch dies auf der Seite der Tierarztpraxis am Millerntor: „Milo Milone hat in unserer Praxis eine Ausbildung zur TFA absolviert. Hauptberuflich ist sie inzwischen jedoch Musikerin und mit ihrer Band Rhonda viel unterwegs. Zu unser aller Freude springt sie jedoch immer wieder als Urlaubsvertretung bei uns ein.“

Hat das Soul? Oh ja, ebenso der Bass von Jan Fabricius, der in „Not My Goal“ mit ganz schweren dreckigen Stiefeln einsteigt, und immer wieder die stilbildenden Teppiche und Kringel des Organisten Offer Stock. Den Unterschied zum ersten Album „Raw Love“ macht ganz klar das Filmorchester Babelsberg, das mit viel Bravour eine Leinwand schafft, auf der Rhonda ihren spannenden Plot entwickelt – trennungsschwer in „Don’t Boy“, schmissig und hitverdächtig in „Off The Track“. Der Bandname Rhonda soll einfach nur gut klingen.

Wenn man die Plattensammlung von Amy Winehouse mit ihrer eigenen vergleichen würde, hat Milo Milone dem „Kultmucke“-Onlinemagazin gesagt, dann fände sich da sicher manch Übereinstimmung. Im März tourt Rhonda durch die Republik – leider diesmal nicht ins Rhein-Main-Gebiet.

Rhonda: Wire. Pias Germany. Erscheint am 27. Januar als CD und Download.

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