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Rheingau Musik Festival „Wir sind einfach so passiert“

Authentisches Raunen: Die Gruppe Frida Gold und der Popveredler Miki Kekenj im Kurhaus Wiesbaden.

MIKIs Takeover! Ensemble feat. Frida Gold
MIKIs Takeover Ensemble feat. Frida Gold beim Rheingau Musik Festival in Wiesbaden. Foto: RMF / Ansgar Klostermann

Streicher machen schlechte Songs nicht besser. So lautet, simpel wie treffend, ein Naturgesetz der Popmusik. Zum dritten mal in Serie hat das Rheingau Musik Festival, im Pop wildernd und dabei den Bogen zur Klassik suchend, MIKIs Takeover Ensemble um den vermeintlichen Popveredler Miki Kekenj engagiert. Ein um wechselnde weitere klangfarbenhaft verwendete Instrumente – an diesem Abend Oboe und Vibraphon – erweitertes Streichquartett. Die prominenten Gäste waren nach Max Mutzke (2016) und Joy Denalane (2017) diesmal Alina Süggeler und Andreas Weizel, die Sängerin und der Gitarrist von Frida Gold – ein Männerdutt (bei Weizel) bedeutet selten Gutes, hat man über die Jahre erfahren.

Zu Beginn spielte das Ensemble die ansehnliche Bearbeitung eines Satzes aus dem Klarinettenkonzert des sehr englischen Zu-spät-Romantikers Ralph Vaughan Williams. Die Gruppe Frida Gold gehört zu den Protagonisten jener modernisierten Form von Schlager, die man heute Deutschpop nennt. Die ZDF-Hymne zur WM im Frauenfußball 2011, „Wovon sollen wir träumen“, geht als eine ihrer erfolgreichsten Nummern auf ihr Strafregister.

Da ist ein bestimmter Sound in der Musik wie in den Texten, der die Bands und Einzelinterpreten alle gleich klingen lässt, egal ob sie Silbermond, Tim Bendzko, Max Giesinger oder werweißwie heißen. Oder eben Frida Gold. Schlag nach bei Böhmermann!

In den Texten raunt es in einer „authentischen“ Art um das Zwischenmenschliche. Hinter der Behauptung einer Intensität der dargestellten Gefühle steht nur Banalität. „Wir sind einfach so passiert, waren so sehr verliebt/Doch das hat zu nichts geführt.“

Da braucht man sich nicht zu wundern über die Plattheit auch der Präsentation an diesem Abend im nicht ganz ausverkauften Wiesbadener Kurhaus. Öde-biedere Albereien fortwährend zwischen dem notorischen Witzbold Miki Kekenj und der beispielsweise mit der Kürze ihres Kleides und den Einblicksmöglichkeiten angesichts des Barhockers kokettierenden Alina Süggeler. Kleider muss man mit Würde zu tragen verstehen. Da hat Ironie nichts zu suchen.

Die tendenzorchestralen Arrangements sind handwerklich kunstfertig gemacht, gelegentlich mit Versatzstücken aus Klassikhits wie Smetanas „Die Moldau“ und dem popbekannten Air aus Bachs dritter Orchestersuite. In der Zugabe gibt’s Madonnas „Frozen“, so leidlich wie überflüssig über die Runden gebracht. „Expedition Sound“ lautet die Parole, die das Rheingau Musik Festival für dieses Konzert ausgerufen hat. Weit sind sie nicht gekommen. Aber stehende Ovationen.

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