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Rheingau Musik Festival Wiener Sentimentalitäten

Das Rheingau Musik Festival erfüllte der Sopranistin Annette Dasch einen Wunsch: Léhars „Lustige Witwe“, konzertant.

Oprette
Einmal Operette singend im Rheingau: Annette Dasch und Daniel Schmutzhard. Foto: RMF/Ansgar Klostermann

Einmal Operette singen – das Rheingau Musik Festival hat seiner diesjährigen Residenzkünstlerin, der Sopranistin Annette Dasch, den Wunsch erfüllt und im Wiesbadener Kurhaus Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ aufführen lassen. Konzertant, versteht sich, fast requisitenlos und im atmosphärefreien Podiumslicht des Thiersch-Saals, wo das Symphonieorchester der Volksoper Wien und die Konzertvereinigung Linzer Theaterchor unter Leitung von Andreas Schüller Platz genommen hatten.

Oliver Pocher sollte an diesem Abend den Njegus geben, den buffonesken Kanzlisten in der Administration des Fürstentums Pontevedro. Eine möglicherweise ideale Besetzung, denn die Handlung der Operette von 1905, die den politischen Raum als eine Art Speed-Dating-Lounge versteht, wo eine Bürokraten-Bohème Geld, Frauen und Alkohol sucht, wäre im süffisanten Tonfall des Straßen-Dadaisten und Harald-Schmidt-Kompagnons sicher gut aufgehoben gewesen. An Pochers Stelle (Absage „aus familiären Gründen“) trat der Librettist und Regisseur des Abends, Daniel Große Boymann, der seine Sache als Einspringer sehr gut machte.

Man blieb, was Anspielungen anbetrifft, zart-ironisch. Zwei, drei Reizworte (MeToo, ponte-negro, chauvinistisch) sorgten für Lacher im Publikum. Ansonsten hielt man sich an das klassische Schema der Verwechslungskomödie mit trotteligem Amtschef, vifem und ehrlichem Assistenten, strategisch vorgehender Dame mit Geld und dem Administrantengelichter im allgegenwärtigen eroto-monetarischen Bereitschaftsdienst.

Die immer heikle Zusammensetzung von Operetten-Ensembles, die meist von Sängern aus dem Bereich der Oper dominiert werden und die dann den falschen, weil zu geschwollenen und getragenen Eindruck des Kitschigen erzeugen, machte jetzt nicht allzu große Probleme. Zwar war der Ton des auf dem Podium spielenden Orchesters sehr direkt und dadurch im Klangbild etwas zu stark auf die Seite heftiger Schmissigkeit verschoben. Man hielt den walzenden Grundmodus eher knapp und konnte bei den einschlägigen Wiener Sentimentalitäten und leichten Ironismen, sowie den zündenden ungarischen Intonationen beste Eindrücke vermitteln. Andreas Schüller hatte den 100-minütigen Ablauf sicher im Griff und ließ viele Details der Partitur zur Erscheinung gelangen.

Eine ideale Stimme, eine „Mizzi“-Stimme brachte Theresa Grabner als Valencienne mit: fein und ungepresst und nur von dem starken Orchesterklang bedrängt. Daniel Schmutzhard hatte die schönste Stimme, aber sie war zu mächtig und auch in den Dialogen zu deftig im Einsatz. Passend und operettensicher die Stimmen von Martin Mitterrutzner, Michael Havlicek und Roman Martin.

Ein dramatischer Sopran oder auch Koloratur-Sopran, so munter er sein mag, ist noch lange kein Schlüssel für das Kesse, Sentimentale und Naive von operettenspezifischer Weiblichkeit. Von den großen klassischen Sopranen hatte ihn bis dato nur Elisabeth Schwarzkopf an ihrem vokalen Schlüsselbund parat. Annette Dasch, die Wiesbadener Primadonna, schlug sich trotz ihrer schon zu schweren und härter werdenden Stimme wacker und ließ mit ihrem vokalen Schmuck, der immer noch auch blitzen kann, manch feinsinnige Stelle glänzen.

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