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Rheingau Musik Festival Wie ein Phönix aus der Fusion

Rheingau Musik Festival: Mahlers „Auferstehungssinfonie“ mit dem SWR Symphonieorchester in Kloster Eberbach.

Kloster Eberbach
Ein großer Mahler in Kloster Eberbach. Foto: RMF / Ansgar Klostermann

Als vor einem knappen Jahr das SWR Symphonieorchester den Betrieb aufnahm, war es mit 175 Mitgliedern das größte Orchester Deutschlands. Wirklich stolz darauf war man nicht, schließlich waren hierfür zwei vollwertige und etablierte Orchester des Südwestrundfunks (RSO Stuttgart und SWR Sinfonieorchester) fusioniert worden. Was die Personaldecke dieses damals zwangsläufig besetzungsstärksten deutschen Orchesters, dessen Schrumpfungsprozess auf Normalmaß eingesetzt hat, wirklich bedeutet, davon konnte man sich jetzt ein Bild machen beim Auftritt des Fusionsklangkörpers beim Rheingau Musik Festival. Auf dem Programm stand Mahlers zweite Sinfonie, hinter dem Orchester bauten sich der Chor des Bayerischen Rundfunks und das SWR Vokalensemble auf, alles in allem 170 Mitwirkende. Imposant.

In Sachen Personaleinsatz war dieses Konzert in der Basilika von Kloster Eberbach das größte in diesem Rheingau-Sommer. Und in Sachen Wirkung und Intensität dürfte es ebenfalls einen Spitzenplatz belegen. Viel hilft viel, bei Mahlers Sinfonik ist diese Rechnung eigentümlicherweise gar nicht so falsch.

Einen Großteil dieser Intensität zu verantworten hatte Christoph Eschenbach, ein Dirigent mit Sinn für dramatische Schärfung, ja ein Zeremonienmeister. Seine Tempi nimmt er gerne langsam, was gut war für die besondere Basilika-Akustik, seine Spannungsbögen schlägt er weit und kompromisslos. Eschenbach versteht Crescendi aufzubauen und Dynamiken zuzuspitzen wie ein Architekt, er leistet Klangregie im besten Sinne. Und Gustav Mahler eröffnet ihm dabei mit seiner zweiten Sinfonie, der „Auferstehungssinfonie“, ein weites Feld. Alleine die Optik ist hier ja von unglaublicher Wucht: Zwei Pauker thronten über dem Tutti, das weitere Schlagwerk gut im Fokus, zusätzliche Pauken und Blechbläser tönten als Fernorchester aus dem Basilika-Vorhof – Mahler wusste um Wirkung, um Überwältigung aller Sinne. Das fulminant akkurate, klangsinnliche SWR Symphonieorchester leistete Bestechendes, Berauschendes. Ein solches Orchester wäre demotiviert, überaltert, verunsichert, entwurzelt, hatte man immer wieder raunen gehört. Diese „Auferstehungssinfonie“ jetzt klang eher nach auferstandenem Phönix.

Magische Momente auch im Vokalen: „O Röschen roth!“, die Altistin Gerhild Romberger so weich und klar und von ganz hinten singend, quasi aus den Chorreihen, durch die Weite des Raums, tief berührend. Dann der Choreinsatz selbst, Eschenbach dafür den Taktstock beiseite legend, die Choristen im Sitzen, im dreifachen Piano, Reduktion und Konzentration extrem.

Auf Facebook bedankten sich unmittelbar nach dem Konzert die Choristen aus München bei ihren Kollegen vom SWR. Sie seien, schrieben sie, „selbst als Mitwirkende völlig ergriffen“.

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