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Rheingau Musik Festival So viel Spannkraft

Rheingau Musik Festival: Händels „Messiah“, exquisit mit dem Tölzer Knabenchor in Kloster Eberbach.

Kloster Eberbach
Sopranistin Mary Bevan und der Dirigent Foto: RMF / Ansgar Klostermann

Als ideale Umgebung für Georg Friedrich Händels „Messiah“ erwies sich die Basilika von Kloster Eberbach beim Konzert mit dem Tölzer Knabenchor. Jener trat, das ist bei diesem Werk nicht Sitte, in relativ kleiner Formation an, knapp 40 Sänger. Vor allem Sopran und Alt, je nur ein gutes Dutzend, ließ das glänzen, denn Masse musste hier nicht eine Zartheit der einzelnen Stimmen wettmachen, die offensichtlich vielmehr über solistische Schlagkraft verfügten. Es ist verständlich, dass der Chor stolz darauf ist, wichtige Quelle für fitte Zauberflöten-Knabentrios zu sein.

Die 13 Herren in der hinteren Reihe strotzten ihrerseits vor Kraft, ließen sie auch hören, wenn sie durften (oder dachten, sie dürften), hielten sich aber meistenteils zurück. Die gelegentlichen leichten Verschiebungen fort von einer perfekten Klangbalance machten darauf aufmerksam, was für ein Potenzial im Raum stand, und gaben dem Chorauftritt umso mehr Spannkraft. Keine Spur von Nonchalance und Routine bei dieser Aufführung eines nicht raren Konzertwerks.

Das hatte auch mit der gediegenen Gesamtausstattung sowie mit dem keineswegs faden Dirigat Paul McCreeshs zu tun, dem ersten zu erwähnenden Briten in dieser insgesamt britischen Affäre. Das Getragene und das Rasante wechselte sich in seinen Vorgaben besonders munter ab, den Solisten war ein opernhafter Zugang zu ihren Partien nicht versperrt. Wunderbar etwa, wie der (britische) Countertenor Tim Mead seine Arie „But who may abide“ hochdramatisch anlegte oder nachher die schier unendliche Klage „He was despised and rejected“ zelebrierte.

Der (britische) Bass Neal Davies wusste deutlich zu machen, warum der Trompeten-Song für seine Stimmlage geschrieben wurde. Auch die (britische) Sopranistin Mary Bevan und der in letzter Stunde eingesprungene (britische) Tenor Benjamin Hulett boten ausgefeilte Auftritte. Im Zusammenspiel mit dem Kammerorchester Basel ergab sich eine entspannte, hörerorientierte Kombination aus historischer Informiertheit und sinnlichem Musizieren.

Spuren von Vogelgezwitscher rundeten die nachher bejubelte Aufführung ab.

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