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Rheingau Musik Festival Seelenreisen

„The Dream of Gerontius“: Katholisches von Edward Elgar im großformatigen Abschlusskonzert in Kloster Eberbach.

RMF
Paul McCreesh leitet das Abschlusskonzert des Rheingau Musik Festivals in Kloster Eberbach. Foto: Ansgar Klostermann/RMF

Das Finale beim Rheingau Musik Festival wird traditionell in der Basilika von Kloster Eberbach begangen und meist mit einem großen oratorischen Werk. Das war auch jetzt nicht anders, beim 30. Jubiläum der Sommerkonzert-Reihe entlang des hessischen Rheinverlaufs, die wieder mehr als 100.000 Zuhörer angelockt hatte. Edward Elgars „The Dream of Gerontius“ stand auf dem Programm. Das Schicksal der Seele des Menschen nach seinem Ableben aus katholischer Sicht wird da vertont. Autor ist Henry Kardinal Newman, ein vom anglikanischen zum römischen Glauben Konvertierter, der hier die Lehre der Kirche um die seelischen Reinigungs- und Urteilsvorgänge ernst nahm und in ein dramatisches Gedicht einfließen ließ.

Der Gegenstand und die musikalische Ausdeutung durch den Katholiken Elgar lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, so sehr der Programmheftkommentar auch versuchte, überkonfessionelle und philanthropische Weißwäscherei zu betreiben. Es verwundert ja immer wieder, wie sehr religiös motivierte, aber profane Musik theologische Sachverhalte in Reinform bewahrt und mit jeder Aufführung wieder aktualisiert, die im eigentlich sakralen Raum in einer Ecke theologischer Spitzfindigkeit als entsorgt gelten. Ob Mozarts oder Verdis „Requiem“, Pergolesis „Stabat mater“, Franz Schmidts „Das Buch mit sieben Siegeln“ oder eben Elgars Seelenreise und -reinigung: Statt Wir-kommen-alle-in den Himmel und Dauerbarmherzigkeit wird im säkularen Konzertleben oft die religiöse Intuition ohne Weichzeichnerei und in schönster Klarheit geboten. Und wenn, wie in der steinernen Arche der ehemaligen Zisterzienser-Basilika noch die Klangvergrößerung durch den donnerschlagartigen Nachhall dazu kommt, müsste das eigentlich wie ein Ear-Catcher wirken.

Aber Paul McCreesh, der statt des vor zwei Monaten verstorbenen Jeffrey Tate das Konzert übernommen hatte, legte Wert auf eine ausgewogene Klangführung und ließ die Symphoniker Hamburg sowie den Philharmonia Chorus nur an speziellen Stellen von der Leine. Aber auch dann gab es statt wummerndem Eberbach-Sound vielmehr gnadenlose, fast trockene Härte. „Die Dämonen waren das Beste... Eine ordentliche Fuge, da weiß man doch wenigstens, woran man ist!“

Die Dame, die beim Hinausgehen so kommentierte, kam, was die wild bewegten Seiten des 90-minütigen Werks anbelangt, offensichtlich auf ihre Kosten. Während andere gerade die fast nazarenisch-versonnenen Partien goutiert haben mochten. Wenngleich hier der Sprödigkeit sicherlich etwas zu viel getan wurde. Klar wurde so allerdings entschieden, dass das formale Gerüst des Ganzen aus kleinen Parzellen der primären Intervalle der lateinischen Dies-Irae-Sequenz aufgebaut ist. Spröde war auch der stimmliche Eindruck. Am markantesten stellte sich der Bariton von Markus Eiche dar. Weniger tragend im Raum war Tenor Brenden Gunnell und der Mezzo Kathryn Rudges – beide aber mir sehr guter Artikulation. Souverän die Symhoniker Hamburg und der schlagkräftige Philharmonia Chor aus London.

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