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Rheingau Musik Festival Nie nachlassend

Beethovens 9. beim Rheingau Musik Festival.

Das Rheingau Musik Festival eine NGO? Man konnte den Eindruck haben, als beim Gastspiel von Chor und Orchester der Brüsseler Oper La Monnaie sowie Orchestre National de Belgique und Octopus Symphony Chorus Intendant und Geschäftsführer Michael Hermann den Gründer von Pulse of Europe im Auditorium begrüßte und ihn des Engagements für seine Sache versicherte. Man gab Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie deren finales „Freude schöner Götterfunke“ bekanntlich als Hymne der Kontinent-Vereinigung fungiert. Wenn man doch, so Hermann, in München und Berlin sich des ersten Einsatzes „O Freunde, nicht diese Töne!“ besönne...

Ein Moment von politischer Manifestation, das man aber nicht allzu weit bedenken sollte, denn Beethovens Textvorlage aus Friedrich Schillers Feder verstößt mehrfach gegen die EU-Standards von Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung. Nur von Brüdern ist ständig die Rede, vom lieben Vater über Sternen, von geehelichten Weibern und von Freundlosen, die sich gefälligst aus dem Freudenbund stehlen sollen. Dafür sind die Würmer wolllüstig, hat die Natur Brüste und folgen alle der Rosenspur. Das Text-Tongemisch eine Beschwörung genialer Plakativität und formbewusster Rhetorik des sich allmählich in sein Spätwerk verabschiedenden Komponisten.

Die schiere Gewalt in Instrumentalität und Vokalität der Brüsseler Musiker unter Leitung des Monaie-Dirigenten Alain Altinoglu war es, die das Publikum begeisterte. Ein ungemein fester, schneidender Klang rauschte und raste und ließ den Unterschied zwischen den pittoresken und betulichen Versen und der musikalischen Freudenerzwingung eklatant werden. Perfekt die vokalen Baßfundamente, ins höchste Schwarze treffende Soprane. Ohne Unschärfen die gnadenlos durchexerzierte Chor-Doppelfuge. Auch in den anderen Sätzen, dem überknoteten ersten, der hypermotorischen Rastlosigkeit des zweiten und den endlos kreiselnden Variationen danach: alles war in gleicher Weise präsent gespielt.

Extrem belastbar und nie im Druck nachlassend die Geigen, brillant die Holzbläser. Die Soloparts waren mit Annette Dasch, Nora Gubisch, Thomas Blondelle und Dietrich Henschel namhaft besetzt und kamen dank zügigster Tempi ohne größere Blessuren, wenngleich zu laut, durch die heiklen Engführungen. Ebenfalls zu laut, und auf Furienformat getrimmt Beethovens Arie „Ah, perfido!“, wo Annette Daschs Stimme, zu schwer in den fließenden Höhengängen und zu steif in der Koloratur, im pauschalen Brüsseler Tutti immerhin gut gebettet war.

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