Lade Inhalte...

Rheingau Musik Festival Mit Tanzeinlage und „Guantanamera“

Das kubanische Septett Son del Nene wirkt im Bad Homburger Kurpark etwas zu offensichtlich routiniert.

Der kubanische Son-Sänger Pedro Lugo Martinez, der sich El Nene – das Baby – nennt, lässt sich in seiner Biografie als ein Zögling des 2005 verstorbenen Buena-Vista-Altmeisters Ibrahim Ferrer ausweisen; er ist zu sehen gewesen in Wim Wenders’ Musikdokumentation „Musica Cubana – The Sons of Buena Vista“. Der mit Jahrgang 1960 auch nicht mehr so junge Sohn macht es wie die Alten. Mit seinem Septett Son del Nene, mit dem er im Kurpark des vom Rheingau Musik Festival entgegen der Geografie vereinnahmten Bad Homburg gastierte, spielt eine ziemlich traditionstreu historisierende Musik. Wie zur Beglaubigung trägt er eine Ibrahim-Ferrer-Gedenkkappe.

Das Repertoire ist gekennzeichnet durch einen Wechsel zwischen den Tanzliedern des im 19. Jahrhundert im Osten Kubas aus einer Verschmelzung von afrikanischen und spanischen Anteilen entstandenen Son und den sentimentalen Bolero-Balladen und auch mal einem Cha-Cha-Cha. El Nene, in jüngeren Jahren mit der modernisierenden Band Jóvenes Clásicos del Son mit einem Latin-Grammy ausgezeichnet, verfügt über eine ansehnlich strahlkräftige und elegant geführte Baritonstimme.

Gleich in einer der ersten Nummern gibt es ein ausführliches – und mit Recht bejubeltes – virtuoses Solo des brillanten Arjadi Sanchez auf der sich durch drei Doppelsaiten auszeichnenden kubanischen Gitarre Tres. Im Übrigen ist die Gruppe mit Congas und Bongos, Gitarre und Trompete und einem körperlosen Bass besetzt; El Nene selber spielt die Klanghölzer Claves und Maracas-Rasseln.

Zum Ende des Konzerts hin kommt es erst zu einer Tanzeinlage eines Teils der Band (originell) und schließlich einer aus dem Publikum rekrutierten Amateurtanzvorführung (zu ausufernd). So verläppert sich das anstelle einer dramaturgisch klugen finalen Steigerung, manche gehen schon. Obendrein dann noch die Aufforderung zum Singalong anhand des abgenudelten Standards „Guantanamera“ in der Zugabe...

So hinterlässt dieses Konzert zwischen Blumenrabatten und einer Kaiser-Wilhelm-Statue als grotesk konterkarierender Deko trouvé einen zwiespältigen Eindruck. Das ist alles ausgesprochen ordentlich gemacht. Es sind Könner ihres Fachs am Werk, gar keine Frage. Aber das wirkt zu offenkundig routiniert. Ein – und wenn auch professionell produzierter – Eindruck von Spontaneität des musikalischen Moments vermittelt sich bloß selten.

Zuvor ist El Nene im Zuge seiner Konzertreise durch Deutschland bei solch glamverheißenden Events wie dem Morsbroicher Sommer, vor dem Plauener Malzhaus und im Kurpark von Sasbachwalden – ziemlich gleich in welchem vermutlich ganz liebenswerten Provinzwinkel diese Orte liegen – aufgetreten. Für einen derartigen Rahmen mag das eine respektable Attraktion darstellen. Vom Rheingau-Musik-Festival indes darf man in der „unterhaltenden“ Musik eine Kragenweite erwarten, die der Position als Spitzenfestival der Klassik entspricht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen