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Rheingau Musik Festival Irgendwo aber ohne Regenbogen

Ein nostalgischer Abend zu Judy Garland und Frank Sinatra beim Rheingau Musik Festival.

Warum genau Judy Garland zur Ikone der US-Schwulenszene wurde, ist schwer zu erklären. Es hat sicher nicht geschadet, dass sie schon in den verklemmten 60er Jahren, von einem Reporter darauf angesprochen, antwortete: „Mir ist das sowas von egal, ich singe für Menschen.“ Manche Chronisten glauben sogar, es wäre in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 nicht zur Gegenwehr gegen Polizeiübergriffe im Stonewall Inn gekommen, hätte die Beerdigung Garlands am selben Tag nicht die Emotionen der Gäste aufgewühlt. 

Das Tribute-Konzert für Garland und Frank Sinatra ist so gesehen der Beitrag des Rheingau Musik Festivals zur Christopher-Street-Day-Saison – der CSD erinnert an den Stonewall-Aufstand. Das Programmheft allerdings, das sonst von Garlands Medikamentensucht bis zu Sinatras Mafia-Kontakten wenig auslässt, schweigt sich über diesen Aspekt aus. 

Ein bisschen bemüht ist das Konzept von „Sinatra & Garland’s Musical Movie Magic“: Die singende Schauspielerin und der schauspielernde Sänger hatten in genau einem Spielfilm gemeinsam Hauptrollen („Till The Clouds Roll By“, 1946). Eine gemutmaßte Affäre beider ist unbewiesen. Allerdings wurden viele Lieder aus Filmen der beiden auch vom jeweils anderen gesungen. Und die Ausgabe der Judy-Garland-Fernsehshow mit Sinatra und Dean Martin von 1962 ist ein Klassiker.

Die britischen Musical-Darsteller Louise Dearman und Graham Bickley übernehmen im Kurhaus Wiesbaden die Rollen von Garland und Sinatra, bauen hier ein Tänzchen, da einige Dialogzeilen ein. Die Songs stammen von Größen wie Cole Porter und Harold Arlen, Richard Rodgers und Leonard Bernstein, Hugh Martin, Harry Warren und Jule Styne.

Das BBC Concert Orchestra eröffnet mit einer Ouvertüre, die Gershwins „I Got Rhythm“ (aus „Girl Crazy“) und Porters „It’s Alright With Me“ (aus „Can-Can“) verarbeitet. Dirigent Richard Balcombe führt in abgelesenem, aber charmantem Deutsch durch den Abend. Seinem Orchester gelingt es ausnehmend gut, zwischen Streicher-Wohlklang und Bigband-Schmiss umzuschalten. 

Allerdings neigt das Ensemble zu wuchtiger Dynamik, was den Gesang trotz der Mikrophone herausfordert: Dearman und Bickley müssen immer wieder das Timbre zugunsten der Lautstärke vernachlässigen. Als Garland-/Sinatra-Imitatoren versuchen sie sich stimmlich zum Glück gar nicht erst, zu groß sind hier die Fußstapfen. Es wird ein netter, nostalgischer Abend. Nur eines fehlt: „Somewhere Over the Rainbow“. Ausgerechnet dieses großartige Lied aus Judy Garlands Teenie-Star-Durchbruch „The Wizard of Oz“ ist nur instrumental zu hören. 

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