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Rheingau Musik Festival „Ich dich ehren? Wofür?“

Das Tetzlaff Trio mit Kammerorchester-Begleitung und einem lichten, pathosfreien Beethoven-Konzert in Wiesbaden.

RMF 2017: Ludwig van Beethoven: „Tripelkonzert“ im Kurhaus W
Beim ?Tripelkonzert? im Kurhaus Wiesbaden Foto: RMF / Ansgar Klostermann

Offenbar ist es doch sinnvoll, nach einem Konzert noch ein bisschen zusammenzuhocken. Bei einer solchen Gelegenheit, liest man, entstand vor zwei Jahren die Idee, dass das Tetzlaff Trio beim Rheingau Musik Festival einmal Ludwig van Beethovens Tripelkonzert spielen könnte. Pianist Lars Vogt hatte damals gerade die künstlerische Leitung der Royal Northern Sinfonia übernommen, jetzt war das Kammerorchester aus Newcastle mit Vogt in Doppelfunktion, dem Violinisten Christian Tetzlaff und der Cellistin Tanja Tetzlaff im Wiesbadener Kurhaus zu Gast. Das jenseits einer Zugabe reine Beethoven-Programm war dadurch dermaßen weit von der einst mit wehendem Dirigentenhaar zelebrierten und noch heute üblichen sinfonischen Überwältigung entfernt, so licht und transparent, dass Vogt auf die Pauke hauen lassen konnte, ohne auch nur in die Nähe von Pathos zu geraten.

Kernig, kantig und dabei federleicht blieb die Prometheus-Ouvertüre zur Eröffnung und gerade darin so aufrührerisch und provozierend zivil wie das zugrundeliegende Goethe-Gedicht: Autor und Komponist als Rebellen gegen Traditionen und gegen Hierarchien, von deren Eliten sie später doch nachhaltig erfolgreich vereinnahmt und nach Kräften staatstragend interpretiert wurden.

Markant war das auch im hinteren Teil des Programms, der 7. Sinfonie, die ohne Aufpumpung durch ein Sinfonieorchester eine selten gehörte Entspannt- und Verspieltheit bot. Ohne den jetzt abgeräumten Flügel in der Mitte bildeten die Nordengländer schon optisch ein eingeschworenes, kompaktes Trüppchen. Die solistische Flötistin strahlte in der zarten Umgebung, die sich dafür nicht zusammenreißen musste, sondern die günstige Balance einfach in sich trug. Beim 2. Satz war das Tempo gewiss zu forsch, um die Reize der spektakulären Schlichtheit in ihrer ganzen Tiefe auszuloten. Insgesamt aber war Vogts Preschen und gar noch Antreiben kaum widerstehlich.

Im Konzert op. 56 machte das Tetzlaff Trio das Orchester zu seinem Partner, mit Vogt als zugewandtem und alles überschauenden Vermittler in der aufregenden und anspruchsvollen, hier aber vergnügt in Hausmusikmanier präsentierten Kreuz-und-quer-Konstellation: Ein Dirigent, der etwa Blickkontakte zum Violinisten direkt an das Orchester weiterleitete. Bei aller Brillanz des bei Bedarf teuflischen Geigenparts, bei allem Schwung des klavierspielenden Dirigenten bildete die geruhsam themeneröffnende Cellistin das Zentrum des intensiven Miteinanders. Zu dem der zugegebene Satz aus Dvoráks 4. Klaviertrio (Dumky-Trio) passte, Musik, die an der Grenze der Hörbarkeit nicht nachgibt, was Spannung und Punktgenauigkeit betrifft.

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