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Rheingau-Musik-Festival Gregory Porter macht keine Experimente

Der Jazzsänger Gregory Porter schöpft beim Rheingau-Musik-Festival im Kurpark Wiesbaden aus dem Überkommenen.

RMF 2018: Gregory Porter & Band im Kurpark Wiesbaden
Gregory Porter (l.), hier mit Jahmal Nichols am Bass in Wiesbaden. Foto: RMF / Ansgar Klostermann

Gregory Porter ist ein fabelhafter Jazzsänger. Manche Stimmen reiben sich an seiner Affinität zum Pop. Freilich sind schon historische Referenzgrößen wie Ella Fitzgerald und Frank Sinatra Popsänger gewesen. Alles, was der massig gebaute Ein-Meter-Neunzig-Mann mit der unvermeidlichen schwarzen Ballonmütze und dem Rundhalsschal macht, der mit seiner Band im Zuge des Rheingau Musik Festivals im Wiesbadener Kurpark gastiert hat, ist durch und durch wohlgestaltet und ganz und gar aus dem Überkommenen geschöpft, aus Soul, Gospel und Blues. Keine Experimente.

Porter steht für eine noble Gesangskultur, und er ist ein ganz großartiger Songschreiber. Die Stimme ist sonor und samtweich, dabei ganz entschieden mit einem Kern. Etliche der Lieder des 46-jährigen  sind von einer Art, die einem das aus der Mode gekommene Wort „sozialkritisch“ in den Sinn kommen lässt. Was den selbstverständlichen musikalischen Fluss der Worte anlangt, bewegt sich das auf dem Niveau der großen Schöpfer von Standards wie Cole Porter oder Gershwins textendem Bruder Ira, verbunden mit dem Geist der Zeit um 1970.

Die Selbstverständlichkeit ist überhaupt ein prägendes Merkmal der Kunst von Gregory Porter. Die blitzsauber intonierende und ungeheuer geschmeidig phrasierende Baritonstimme ist unmittelbar ansprechend. Das wirkt alles durchgeformt und kontrolliert. Und dabei getragen von einer Wärme.

Die fantastische Band ist im Kern dieselbe wie schon seit dem auf das Jahr 2010 zurückgehenden späten Debütalbum „Water“. Mit den langjährigen Mitgliedern Tivon Pennicott am Tenorsaxofon, Chip Crawford am Klavier und dem Schlagzeuger Emanuel Harrold sowie Ondrej Pivec an der Hammondorgel und Jahmal Nichols am Bass. So konventionell dieser moderne Mainstream sein mag: hier wird ein vitaler und in einer einnehmenden Weise musikantischer Jazz gespielt. Tivon Pennicott allerdings nudelt die Klischees am Saxofon durch, in einer äußerlichen, nur zu arg auf den Effekt erpichten Art.

Das Repertoire speist sich zu einem guten Teil aus vertrauten Nummern aus „Liquid Spirit“, jenem famosen Album, das Porter 2013 den Durchbruch und seinen ersten Grammy bescherte. Und es gibt einige Fremdtitel. Von Nat King Cole natürlich, dem großen Vorbild, dem Porter das im vergangenen Jahr erschienene Album „Nat King Cole & Me“ widmete.In einem Medley zum Schluss hin wird eine Menge zitathaft angespielt, teils kabarettistisch pointiert. 

Im unbegleiteten Solointro des Basses gar Deep Purples „Smoke On the Water“. Porter stimmt „Papa Was a Rolling Stone“ von The Undisputed Truth/The Temptations an; zentral indes zieht sich seine eigene Nummer „Musical Genocide“ hindurch.

Es sind die althergebrachten Dinge, die verfangen – und das wirkt nicht schal. Zu dem Song „Liquid Spirit“ fordert der in seinen Ansagen zurückhaltende Porter das Publikum im mit 3000 Zuschauern ausverkauften Auditorium zum rhythmischen Mitklatschen im Gospelgroove – synkopiert, und das klappt – auf. Das wirkt ganz schlicht, nicht ranschmeißerisch.
Alles ist temperiert. In einer solch geerdeten Art, dass es einem nicht unangenehm aufstößt. Ein Kunststück.

Ein Mitschnitt des Konzerts ist bis zum 2. September auf Arte Concert zu sehen.

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