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Rheingau Musik Festival Empfindlicher Klang

Der in der Tat erstaunliche Geiger Emmanuel Tjeknavorian bekommt in Schloss Johannisberg den Lotto-Förderpreis überreicht.

Emmanuel Tjeknavorian
Emmanuel Tjeknavorian im Fürst-von-Metternich-Saal von Schloss Johannisberg. Foto: Ansgar Klostermann/RMF

Das Überfliegerhafte des 23 Jahre alten österreichischen Violinisten und diesjährigen Lotto-Förderpreisträgers Emmanuel Tjeknavorian löst sich beim Spielen in eine unprätentiöse Virtuosität auf. Die Haltung ist die eines vorbildlichen Schülers, die Stradivari sitzt wie in der Luft angeschraubt, alle Bewegung geht ökonomisch direkt in die Musik und vielleicht noch in das selige Lächeln. „Freundschaft“ heißt der Abend im Zuge der „Next Generation“-Reihe des Rheingau Musik Festivals, und das Programm, auf Schloss Johannisberg zusammen mit dem 1996 in Wien geborenen Pianisten Maximilian Kromer dargeboten, ist ausgefeilt genug.

Clara Schumann widmete ihre „Drei Romanzen für Violine und Klavier“ op. 22 dem Geiger Joseph Joachim, ein zarter Einstieg ins Konzert, der den empfindlich flackernden Klang von Tjeknavorians Spiel (und auch des Instruments) zur Geltung bringt. Sechshändig komponierten 1853 Robert Schumann, der noch ganz unbekannte Johannes Brahms und ihr heute weitgehend vergessener Kollege Albert Dietrich die „F.A.E.-Sonate“, ebenfalls für Joseph Joachim (auf dessen Devise „frei, aber einsam“ und auf die entsprechenden Noten). Sehr unterschiedlich also die Handschriften von Satz zu Satz, was Tjeknavorian sorgfältig herausspielt, ebenso die kleinen teufelsgeigerischen Elemente, mit denen die Komponisten ihren Freund (nicht ernstlich) herausforderten. Joachim riet die Komponisten richtig, weiß Tjeknavorian zu berichten. Wer Brahms für das Scherzo die Krone überreichen will, hat hinterher erst recht Freude an den „Ungarischen Tänzen“, die wiederum Joachim für Violine und Klavier bearbeitete. Totenstille in den effektvollen Pausen.

Im zweiten Teil ein Schwenk in die frankophone Welt und zu weiteren Freundschaftsbanden. Der Komponist und Geiger Eugène Ysaÿe schrieb seine Solosonate „L’aurore“ für den Kollegen Mathieu Crickboom, César Franck seine Sonate für Violine und Klavier in A-Dur für Ysaÿe – und Tjeknavorian zeigt sich vor allem im letzten Werk noch einmal als reifer Musiker weitab von reiner Fingerfertigkeit, die ihm beiläufig und eh zur Verfügung zu stehen scheint.

Der mit 15.000 Euro dotierte Lotto-Förderpreis wird anschließend überreicht in einer hinreißend ungelenken Szenerie, zu der der Ausgezeichnete auch seinen Pianisten bittet, mit dem er schließlich – nun wieder mitnichten ungelenk – einen Walzer von Jean Sibelius nachschiebt.

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