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Randy Newman Wladimir Putins breite Brust

„Dark Matter“: Ein originelles und randvolles neues Album des US-amerikanischen Singer-Songwriters Randy Newman.

Randy Newman
Randy Newman, im Frühjahr dieses Jahres konzertierend. Foto: afp

Man kann ja viel über Wladimir Putin schimpfen, aber dass er nun Werbung für das neue Album von Randy Newman macht, ist doch wieder ein ganz netter Zug von ihm. Am Freitag erschien Newmans neue Platte „Dark Matter“, auf dem sich der amerikanische Songschreiber dezidiert mit der nackten Brust des russischen Präsidenten beschäftigt. „And when he takes his shirt off / He drives the ladies crazy / When he takes his shirt off / makes me wanna be a lady.“ Wenn Putin sich seines Hemdes entledigt, werden nicht nur Frauen verrückt, nein, auch der Sänger in dem irrwitzigen Stück „Putin“ hat offenbar Spaß daran. Und schon reichte der Titelheld mit einer schönen Volte ein Konvolut frischer Oben-ohne-Fotos nach.

Die Satire wird von der Realität eingeholt, nicht zum ersten Mal in Randy Newmans Karriere. Der 1943 in Los Angeles geborene Autor, Komponist und Interpret zählt mit seinen Songs seit Jahrzehnten zu den scharfsinnigsten Beobachtern und Analysten der menschlichen Natur im Allgemeinen und der amerikanischen Spezies im Besonderen, doch dürfte er außerhalb seiner Heimat sogar kulturinteressierten Menschen kaum bekannt sein.

Der große Intellektuelle der amerikanischen Popmusik

Aber selbst wer gar nichts über ihn weiß, hat wahrscheinlich Kim Basinger irgendwann dabei zugesehen, wie sie sich in dem Film „9½ Wochen“ aus ihrer Garderobe schält. Das dazugehörige Lied „You can leave your hat on“ ist von ihm. Dass der große Intellektuelle der amerikanischen Popmusik mit einer Strip-Nummer Furore macht, das klingt eigentlich wie ein Song von Randy Newman.

Als Erzähler bedient er sich in seinen Songs immer wieder realer oder fiktiver Charaktere. Diesmal kommen in „Brothers“ die Kennedy-Brüder vor, wie sie die Invasion in der Schweinebucht auskungeln, „Sonny Boy“ dreht sich um den Bluesmusiker Sonny Boy Williamson, „On the Beach“ um einen von den Zeiten vergessenen Strandjungen und dann, wie gesagt, wäre da noch „Putin“. Diese Art von Rollenprosa wird gern auch mal missverstanden, wie etwa bei Newmans „Short People“ von 1977, einem Lied, das sich natürlich nicht gegen kleinwüchsige Menschen richtet, wie ihm damals unterstellt wurde, sondern gegen Vorurteile. Dass er damit auf dem Index landete, ist auch so eine Geschichte.

Genial und übertrieben

Zu Beginn seines neuen Albums taucht Newman sogar persönlich auf, als „Mr. Newman, Autor dieser kleinen Vignette“. Achtung Ironie. Die kleine Vignette ist nämlich ein schier größenwahnsinniges Singspiel, das unter der Zeile „The Great Debate“ in acht Minuten nicht nur einen Weltanschauungsdisput zwischen Biologisten, Kreationisten, Kosmologisten und was nicht alles behandelt, sondern dabei munter durch die amerikanische Popmusik hüpft, von New-Orleans-Jazz über Gospel und Revue bis hin zu, tja, Randy Newman. Das ist einerseits genial, andererseits aber auch ein bisschen übertrieben.

Randy Newman ist jetzt 73 und veröffentlicht im Schnitt nur noch ein neues Album pro Jahrzehnt, da wirkt so eine Ouvertüre auch wie eine Demonstration der Stärke. Das beste Lied ist hier aber nicht eines dieser reich orchestrierten Großkunstwerke, sondern das ergreifende „Lost Without You“, in dem sich ein Witwer an die letzten Tage mit seiner Frau erinnert.

Randy Newman: Dark Matter. Nonesuch.

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