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Prince Intime Demoaufnahmen von Prince

„Piano & A Microphone 1983“: Die Demoaufnahmen zeigen Prince allein am Klavier, in einer faszinierend intimen Atmosphäre.

Prince
Prince 1987 in Paris. Foto: dpa

Es heißt, dass Prince, gehütet in einem Tresorraum auf seinem Anwesen Paisley Park in Minneapolis, unveröffentlichtes Material für eine Unzahl von Alben hinterlassen hat. Vor diesem Wissen erscheint es außergewöhnlich, dass jetzt, zweieinhalb Jahre nach seinem Tod, als erstes postumes Album ausgerechnet ein überraschender Fund von frühen Demoaufnahmen auf den Markt gebracht worden ist. Braucht die Welt das?

Im vorliegenden Fall lautet die Antwort  ganz entschieden: ja. „Piano & A Microphone 1983“ enthält neun Songs in 35 Minuten, aufgenommen, als Prince 25 war im September 1983 im Kiowa Trail Home Studio in Minneapolis und überliefert auf einer Musikkassette. Prince allein am Klavier, in einer faszinierend intimen Atmosphäre. Der Reiz des Skizzenhaften zieht einen vom ersten Moment an in den Bann.

So nah wie nie zuvor

Für den Rest der Welt ist das nicht bestimmt gewesen, man hat das Gefühl, Prince nahezukommen wie nie zuvor. Ab und an hört man Anweisungen, von der Art „Turn the voice down a little!“ Manchmal garniert Prince die Songs mit einer angedeuteten Perkussion mit seiner Stimme. Die Veröffentlichung knüpft im Übrigen an Prince’ letzte Konzertreise an, auf der er sich gleichfalls nach dem Prinzip „Piano & A Microphone“ präsentiert hatte. Der Sound erscheint wie naturbelassen, will meinen: mitunter ein wenig dumpf, und die Präsenz der Stimme schwankt hier und da ein bisschen. Gut gemacht: Ein technisches Aufpolieren hätte an der Authentizität gekratzt.

Nur eine einzige spätere Hitnummer findet sich im Repertoire, „Purple Rain“, in einer Flüchtigkeit von nicht ganz anderthalb Minuten. Es schließt sich „A Case of You“ von dem großen Joni-Mitchell-Album „Blue“ von 1971 an, einer der ganz wenigen Titel von fremder Hand, derer sich Prince je angenommen hat, bald zwanzig Jahre später auch mit einer Studioeinspielung. „Wednesday“ sollte zunächst ein Teil des Soundtrack-Albums zum Film „Purple Rain“ werden; die Zeile, in der das lyrische Ich Suizid erwägt, war dafür abgeändert worden, rausgeflogen ist der Song hinterher trotzdem. Die Aufnahme des Spirituals „Mary Don’t You Weep“, das im amerikanischen Bürgerkrieg eine Hymne des Widerstands der Sklaven gewesen ist, hat Spike Lee im Abspann zu seinem jüngsten Film „BlacKkKlansman“ verwendet.

Zwei Songs sind bis jetzt völlig unbekannt gewesen. Als besessener Arbeiter an seinem Werk soll Prince mitunter wohl tagelang durchgemacht haben. Da lag der Gedanke nahe, er gebrauche Aufputschmittel; dem Zeugnis seines Umfelds nach jedoch soll das nicht so gewesen sein. Die Boogienummer „Cold Coffee & Cocaine“ ist zu lesen als humorvolle Replik auf entsprechende Unterstellungen. Die rhythmischen vokalen Einwürfe, Kiekser und Ächzer wirken wie ein parodistischer Gruß an den Altvorderen James Brown. Das abschließende „Why the Butterflies“ ist eine jazzig groovende Soulballade mit einem improvisatorischen Charakter.

Ob Prince es gern gesehen hätte, dass diese Dokumente an die Öffentlichkeit kommen, erscheint fraglich. Schließlich ist er für seinen Perfektionismus bekannt gewesen. Aber das ist egal. Was seit jeher eine philologische Praxis bei toten Dichtern und Komponisten ist, die Veröffentlichung jedes aufgefundenen Werkfragments, macht eben auch vor den Genies der Popmusik nicht halt. Und das ist richtig.

Prince: Piano & A Microphone 1983. Warner.

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