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Piotr Beczala in Frankfurt Lächeln trotz Weh ...

Piotr Beczala und Helmut Deutsch treten in der Oper Frankfurt mit Schumanns "Dichterliebe" und slawischen Liedern auf.

Liederabend Piotr Beczala (Tenor) & Helmut Deutsch (Klavier), Oper Frankfurt, 14.03.2017
Der Tenor Piotr Beczala im Frankfurter Opernhaus, hinter ihm Pianist Helmut Deutsch. Wolfgang Runkel Foto: Copyright: Wolfgang Runkel

Piotr Beczalas Tenor ist betörend und de facto kraftstrotzend, aber er wirkt an diesem Abend in der Oper Frankfurt vor allem am Anfang auch etwas labil. Tatsächlich macht es die Stimme interessanter, die gelegentliche winzige Spur von Makel (hier etwa in Form einer gelegentlichen winzigen Spur von Nebengeräusch), die Schönheit braucht, um voll zur Entfaltung zu kommen. Das ist umso wünschenswerter, als Beczala sich bei Robert Schumanns „Dichterliebe“ unerwartet unverbindlich gibt. Andererseits wird plastisch, wie intensiv er sich mit den Liedern auseinandergesetzt hat, was für ein Nuancenreichtum ihm zur Verfügung steht.

Nach dem „Wunderschönen Monat Mai“, noch ein bisschen eng geraten, als wäre da eine Anfangsverlegenheit, die bei einem souveränen Opernstar bei einem bereits vielfach vorgetragenen Programm an sich kaum vorstellbar ist, gibt es also Grund zum Staunen. Hier herrlich durchgearbeitete Details, so ein kaum beachtetes kleines „auf“ – „dort löst sich auf in Tränen“ –, das die Auflösung als buchstäblichen Hauch direkt vors Ohr führt. Dort aber direkt darauf auch eine irritierende Einbödigkeit im Titel „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“, der schwungvoll und kernig klingt, aber ohne jeden sardonischen Unterton auskommt.

Insgesamt zeigt sich mehr Drama als Groll, mehr Feierlichkeit als Ironie, mehr Schluchzen – auch wirklich ein kleiner Schluchzer für das zerrissene Herz in „Und wüssten’s die Blumen, die kleinen“ – als blankes Elend. Man könnte sagen, dass Piotr Beczala die Lieder nicht nur als Opern-, sondern geradezu als Operettensänger angeht. Das hat erhebliche Reize – und wenn es nur der Reiz der Abwechslung ist, auch ist es hinreißend altmodisch wie der sympathische Akteur im Frack –, führt aber bisweilen auch zu einer kecken Schlagerhaftigkeit, die Heinrich Heines Texte und Schumanns Musik jedenfalls nicht zur offiziellen und modernen Gänze auslotet.

Sensationell übrigens wieder der letzte Zipfel, das dumpf verklingende „Und meinen Schmerz hinein“, von Beczala wie ratlos in den Raum gestellt. Das kann nicht das Ende vom Lied sein, ist es auch nicht, wie der sehr souveräne Begleiter Helmut Deutsch im Nachspiel dann auch deutlich macht. Ohnehin ist er beim Schumann mehr Partner als Begleiter. Nun aber will die Zeit schier stehen bleiben, der nächste Klavierton muss praktisch herbeigezwungen werden.

Unproblematischer – obwohl problematisch im Zusammenhang mit so viel Kraft und warmer Stimmpracht eh ein merkwürdiges Wort ist – gestaltet sich insofern der zweite Programmteil: Lieder von Beczalas polnischem Landsmann Mieczyslaw Karlowicz, des Tschechen Antonín Dvorák („Zigeunermelodien“) und des Russen Sergei Rachmaninow sind ja doch zumindest hierzulande mit viel weniger Erwartungsdruck behaftet. Sie lassen die Vielfalt von Beczalas Ausdrucksmöglichkeiten wunderbar zur Geltung kommen und geben ferner Gelegenheit, die sprachlichen Farbunterschiede wahrzunehmen – die Sperrigkeit des Tschechischen zumal. Helmut Deutsch lässt sich erst jetzt die Seiten umblättern, tastet sich interessiert voran. Vermutlich ist es eine Projektion anzunehmen, Beczala hätte nun die Führung übernommen.

Auch das Publikum im Frankfurter Opernhaus kommt jetzt richtig in Schwung, zumal die Zugaben mit köstlich strahlender Italianità beginnen (Leoncavallos „Mattinata“, mit einem polnischen Knaller von Stanislaw Moniuszko sich fortsetzen und mit fein geschmettertem, aber geschmettertem Richard Strauss („Zueignung“) enden.

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