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Pianist Omer Klein Melodiefreudig beschwingt

Der israelische Pianist Omer Klein beim Jazz im Palmengarten.

Die Musik des späten Senkrechtstarters Omer Klein klingt ausgesprochen heutig. Dabei hat sie keinen avantgardistischen Anspruch mit Blick auf die Zukunft des Genres. Seine grandiose Qualität zieht der israelische Jazzpianist vielmehr aus einem immensen Stilwillen. Schon zuvor hoch gehandelt, ist dem Freigeist im vergangenen Jahr mit der Veröffentlichung seines Trioalbums „Sleepwalkers“, dem ersten beim Mediengiganten Warner, endgültig der Durchbruch gelungen.

Der 36-Jährige, der nach einer Zeit in den USA und einigen Jahren in Düsseldorf inzwischen in Frankfurt lebt, hat seit 2006 sechs Alben herausgegeben, eines davon bei John Zorns Label Tzadik, dessen Programm einer „Radical Jewish Culture“ man Klein gedanklich nicht gleich zugeordnet hätte. Er mag dem insoweit entsprechen, als er sich in seinen Kompositionen immer wieder auch von einem ausdrücklichen Jazzstandpunkt her mit (auch religiösen) Musiktraditionen seiner israelischen Heimat beschäftigt hat.

Eine Musik zwischen romantischer Prägung und lockerem Groove – das ist der Eindruck dieses Abends zum Saisonschluss der von der Frankfurter Jazzinitiative bestückten Sommerreihe Jazz im Palmengarten. „Rockets on the Balcony“ heißt das 2010 bei Tzadik erschienene und von John Zorn produzierte Album – ein Titel, der den von Klein beanspruchten außermusikalischen Gehalt dingfest macht. Das Repertoire des Frankfurter Konzerts speist sich wesentlich aus „Sleepwalkers“. Folgt man Kleins Ansagen wie auch dem Infozettel der Plattenfirma, handelt es sich gleichsam um „Programmmusik“. Das Titelstück wäre demnach ein „Weckruf“, sich in erster Linie der wahren Welt zu widmen – anstatt sich selbstzombiefizierend an die mobile Kommunikationstechnologie zu verschwenden.

Zu hören – und völlig unabhängig von alledem zu genießen – ist jedenfalls eine melodiefreudige und beschwingte Musik, die selbst in den Balladen noch einnehmend unvergrübelt wirkt. Wohlgemerkt ist Omer Klein kein Bruder-Allzu-Leichtfuß; das bloß Geschmäcklerische liegt ihm fern. Schon gar nicht schmeißt er sich ran.

Und was hat er da für ein fantastisches Trio! Seit fünf Jahren besetzt mit Haggai Cohen-Milo am Bass und dem Schlagzeuger Amir Bresler. Die Struktur eines Musizierens mit unangefochtenem Fokus auf den Pianisten und doch auf Augenhöhe mit den Partnern geht natürlich auf die historischen Errungenschaften des Bill Evans Trios zurück. Die Freiheit der musikalischen Kommunikation in einem kompakten Rahmen origineller kompositorischer Findungen ist hinreißend.

Am Rande erklärte Klein, er beabsichtige es, häufig in der Stadt zu spielen – die Aussicht auf einen regen Austausch mit namhaften hiesigen Größen wäre eine Verheißung.

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