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Philippe Jaroussky im Rheingau Gegen die Reflexe

Der Star der Countertenöre, Philippe Jaroussky, spielt in der Basilika von Kloster Eberbach beim Rheingau Musik Festival.

15.07.2016 16:30
Bernhard Uske
Philippe Jaroussky beim Rheingau Musik Festival. Foto: Ansgar Klostermann

Zum Quartett der konzertanten Quälgeister gehört neben dem klingelnden Handy, dem Husten und dem pfeifenden Hörgerät häufig auch der Applaus, der jeden Moment darauf lauert, die kleinste Lücke im Programmablauf für seinen Einsatz zu nutzen. Zwanzig Posten wies das Konzert von Philippe Jaroussky in der Basilika des Klosters Eberbach auf, wo der Star der Countertenöre nach sechs Jahren wieder beim Rheingau Musik Festival gastierte.

Schon am Bussteig D am Wiesbadener Hauptbahnhof, wo die Shuttle-Busse des Festivals nach Eberbach abfahren, gab es nur ein Thema: Jaroussky – wann man ihn zuerst, zuletzt und am allerbesten erlebt hat. Das ließ für die akustische Handarbeit der so schon prä-konzertant Erwärmten einiges erwarten.

Aber Philippe Jaroussky ist ein Musiker, dem die klingende Sache mehr am Herzen liegt als der Fan-Club. Statt zwanzigfachen Tosens und Jubelns, wie es sich bereits beim Betreten des Podiums durch den 38-jährigen Franzosen abspielte, drosselte eine kluge Überleitungsdramaturgie die Reflexe von Herz und Hand durch kleine Verzögerungen, Zurücktreten des Solisten, lang ausgehaltene Schlusstöne, in die hinein das nächste Stück einsetzte.

Alle Anhaltspunkte für sensomotorisches Lärmen waren entfernt und irgendwann wohl auch der Reiz dazu einfach vergessen, so dass das höchst sublime Klanggeschehen sich in einer ununterbrochenen Atmosphäre entwickeln konnte.

Und immer fließend

So divergent die meist mythologisch inspirierten Stoffe der italienischen Opernkomponisten der ersten Stunde nach dem Urknall der Herren Peri und Monteverdi in Florenz und Mantua auch sein mochten: Ein sich langsam aufbauender, zurücksinkender und immer fließender Prozess war bei den Arien und Instrumentalstücken von Pietro Antonio Cesti, Francesco Cavalli oder Agostino Steffani dominierend.

Und besonders schön klingend bei wenig rhythmischer Bewegung und leisen Tönen, die im romanischen Kirchenschiff immer mit erhebenden Schallwellen belohnt werden, während Koloraturhaftes, Gepauktes und Rasantes dagegen immer schnell ein bisschen nach Badezimmerkacheln klingt.

Eine hohe männliche Stimme, die nichts Bleckendes und Flächiges hat, dafür aber ein sopranistisches Vibrato kennt samt einer entsprechenden Dynamikregulierung – das ist die Qualität der Jarousskyschen Artikulation. Ideal in Verbindung mit dem Ensemble Artaserse, das in der Basilika oft wie die Erweiterung und Vergrößerung des Vokalkerns mit anderen Mitteln wirkte.

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