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Patti Smith Alte Oper Frankfurt Und manchmal die alte Energie

Patti Smith, durch und durch nostalgisch in der Alten Oper Frankfurt. Ein gemütliches Beisammensein mit einer Musikerin, der man (fast) alles verzeiht.

23.06.2015 17:00
Stefan Michalzik
Patti Smith, immer in Schwarz. Foto: Ki Price

Im Dezember jährt sich zum 40. Mal die Veröffentlichung des legendären Debütalbums ,,Horses“ von Patti Smith – ihres einzigen tatsächlichen Meisterwerks. Wie so viele Veteranen nutzt sie die Gunst der Stunde, um unter dem Vorzeichen des Jubiläums noch einmal ein wesentlich größeres Publikum zu erreichen, als es ihr zuletzt gegeben war.

Vor knapp anderthalb Jahren hat sie ein hinreißend entspanntes Konzert im Offenbacher Capitol gegeben. Mit der annoncierten Aufführung des kompletten Albums unter dem Signum ,,Horses 1975 – 2015“ hat sie nun die entschieden größere Frankfurter Alte Oper gefüllt.

Da steht sie auf der Bühne, im charakteristischen schwarzen Jackett mit Weste, grau sind schon lange die Haare. Nicht viel Aufhebens am Anfang. Einfach Song für Song. Angefangen mit den berühmten Worten ,,Jesus died for somebody’s sins but not mine“, mit denen ihre Fassung von Van Morrisons ,,Gloria“ beginnt.

Überraschungen sind nicht geplant

Überraschungen sind offenkundig nicht angestrebt: Die Arrangements halten sich recht nah an jene der Einspielung; zwei der Musiker von damals sind dabei, der Gitarrist Lenny Kaye und der Schlagzeuger Jay Dee Daugherty. Gleichwohl handelt es sich schon insoweit um eine ahistorische Aufführungspraxis, als es historisch nicht üblich gewesen ist, komplette Albenzyklen in Konzerten zu spielen.

Die alte Energie in der Stimme von Patti Smith blitzt ausgerechnet in der langsamen Nummer „Birdland“ zum ersten Mal durch. Da spuckt sie dann sogar wie einst auf die Bühne. Man muss das als Folklore der Widerborstigkeit einordnen. Den Brecher „Land of Thousand Dances“ macht sie – leider – zur Mitklatschnummer. Die Patti Smith Group ist einmal, sagen wir: ,,wild & gefährlich“ gewesen. Heute? „Johnny is gonna party!“

Es schloss sich eine Best-of-Revue an, gleichfalls ohne Überraschungen, mit der Ehrung von vielen Verstorbenen wie dem zeitweiligen Lebensgefährten Robert Mapplethorpe und dem Ehemann Fred Sonic Smith, auch Jimi Hendrix, Lou Reed und Ornette Coleman. Ein bekanntes Ritual ist der emphatisch vorgetragene Aufruf zur politischen Selbstermächtigung.

Man kann dieses Konzert als gemütliches Beisammensein charakterisieren. Eine durch und durch nostalgische Angelegenheit. Aber einer Patti Smith verzeiht man (fast) alles. Die alte Energie, sie ist mitunter zu spüren.

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