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Palmengarten Rapider Wechselrap

Das senegalesische Duo Daara J Family etwas weichgespült im Frankfurter Palmengarten.

Arme schwenken, Tanzen und Hopsen. Gemeinschaftliche Seitwärtsschritte. Und obendrein kommt die Aufforderung: „Everybody screeeaaam!“ Es ist die große Partysause samt Call-and-Response-Spielen, um die es geht beim Konzert des Mitte der 90er in der senegalesischen Kapitale Dakar gegründeten Duos Daara J Family im Zuge des vom Mousonturm ausgerichteten Festivals Summer in the City im Frankfurter Palmengarten.

Das Projekt des – nach einer Denkpause 2007 vom ursprünglichen Trio geschrumpften – Duos Faada Freddy und N’Dongo D ist eine lokal geprägte Popmusik, in der einheimische rhythmische und melodische Muster auf Soul, Funk, Reggae und HipHop treffen. Getreu der Devise: „Rapmusik wurde in Afrika geboren, sie wuchs in Amerika auf – jetzt bringen wir sie wieder zurück“. Historisch richtiger müsste es zwar heißen: sie wurde in Amerika geboren, hat aber ihre Wurzeln in Afrika. Ist aber letztlich nebensächlich.

In ihren Anfängen, als sie „Family“ noch nicht im teilweise auch Daaraj („Schule des Lebens“) geschriebenen Namen führten, klang das noch entschieden puristischer und eigener. Harsch, im Sinne einer explizit afrikanischen Ausformung von HipHop. Im unmittelbaren Vergleich mit dem vor zwanzig Jahren veröffentlichten Debütalbum „Daara J“ wirkt die Musik heute weichgespült.

Gerade zu Beginn des Konzerts sind es im Kern eher unscheinbare Reggaeballaden, vorgetragen von der weichen, sich immer wieder ins Falsett schraubenden Gesangsstimme von Faada Freddy, aus denen hervor als unwiderstehliche Attraktion der furios rapide Wechselrap von Faada Freddy und N’Dongo D losbricht. Das ist eine veritable Zugnummer, vielfach auch parodistisch hergeleitet vom charakteristischen Sound des Scratchens. Instrumental – fünf Begleiter an E-Gitarre und Bass, Schlagzeug und Keyboards, eine Hintergrundsängerin – ist das unauffällig. Ein lockerer, aber disziplinierter, allgemeinverträglicher Sound, mit Anklängen von afrikanischer Trommelmusik auf dem Popschlagzeug.

Daara J Family – sie singen und rappen im regionalen Wolof sowie auf Französisch und Englisch – feiern auch mal die Liebe, bekannt sie sind aber vor allem für ihre sozial und politisch engagierten Texte. Die misslicherweise nicht gut durch die Musik durchgedrungen sind. In einer Ansage hat Faada Freddy den „afrikanischen Traum“ propagiert, in einer selbstermächtigenden Analogie zum amerikanischen und europäischen Traum. Eine Frage der Zeit sei das, sagt er, bloß nicht entmutigen lassen.

Das findet großen Beifall – auch wenn es geschätzt zu 99 Prozent hiesige Westeuropäer sind, die das bejubeln. Im Sinne eines unbeschwert wohllaunigen Sommerabends. Daara J als junge Kerls 1998 bei einem Konzert in Dakar dagegen – kaum auszumalen, was das für ein Knaller gewesen sein dürfte.

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