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„Opern des Jahres“ Opern des Jahres: Frankfurt und Mannheim

Musikkritiker haben die Oper Frankfurt und das Nationaltheater Mannheim zu den Opernhäusern des Jahres 2015 gewählt. Eine logische Entscheidung, ein Sieg des langfristig gepflegten Ensemblebetriebs, ein Freudentag für Opernhörer in der Region. Auch wegen weiterer Gewinner.

Opernhaus der Jahres: Die Oper Frankfurt teilt sich den Sieg in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift "Opernwelt" mit dem Nationaltheater Mannheim. Foto: dpa

Nicht nur ist die Oper Frankfurt eine der beiden „Opern des Jahres“ 2015, sondern die andere (mit sieben Stimmen gleichauf liegende) befindet sich auch bloß 70 Kilometer Luftlinie entfernt und ist das Nationaltheater Mannheim. Man soll die Welt nicht immer nur von den eigenen vier Wänden aus betrachten. Aber die 50-Kritikerinnen-und-Kritiker-Umfrage der Fachzeitschrift „Opernwelt“ hat diesmal zu einem Ergebnis geführt, bei dem einem das als Bewohnerin der – an dieser Stelle einmal ein bisschen großgerechneten – Region nahegelegt wird (s. u.).

Warum aber haben Frankfurt und Mannheim gewonnen? Warum sind beide Häuser seit Jahren vorne mit dabei – als Gesamtgewinner Frankfurt zuletzt 2003 –, was fast noch wichtiger ist im Abstimmungsgetümmel, bei dem am Ende immer auch Zufälle möglich sind?

Vermutlich, nein, offensichtlich ist das Ergebnis vor allem ein Loblied auf das gepflegte Ensembletheater, gepflegt im Sinne von gehegt, was wie im pflanzlichen Bereich mit Dauer zu tun hat. Ensemblepflege ist in Frankfurt ohnehin eine Selbstverständlichkeit, aber auch Mannheim kann zum Beispiel seinen „Ring“ (von Achim Freyer) in erheblichen Teilen aus den eigenen Reihen besetzen. Bernd Loebe, seit 2002 Opernintendant in Frankfurt, und Klaus-Peter Kehr, seit 2005 Opernchef in Mannheim, vereint zudem anscheinend das Vergnügen an ausgefeilten Spielplänen, die ganz geschickt Repertoire und Entdeckungen verknüpfen und das Publikum in die Exklusivität des Geschehens mit einschließen.

Beide Intendanten gelten als Motivationstalente, ein Talent, das mit Präsenz und klarer Ansprache zu tun hat. Zwischen sich und ihre aktuellen Generalmusikdirektoren lassen sie kein im öffentlichen Raum hörbares Blatt Papier kommen. Dabei macht Loebe, wie man aus Frankfurter Sicht sagen kann, aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die gute Nachricht verknüpfte er mit einer Mahnung an das Land Hessen: „Wenn die Städtischen Bühnen auch künftig in der ersten Liga mitspielen sollen, dann wird das nur gehen, wenn sich das Land stärker engagiert“ (von dort kommen derzeit gut 2,8 Prozent des Gesamtbudgets).

Spartenprofilierung lohnt sich, aber sie wird seltener

Am Rande, vor allem am Beispiel Mannheim, zeigt sich auch, dass es Vorteile für die Profilierung mittelgroßer Häuser hat, die Spartentrennung auch auf oberster Ebene durchzuführen. Vor 2013 hatte das Nationaltheater Generalintendanten für alle Sparten, Kehr war damals noch Operndirektor (Spartenprofilierung, an kleineren Häusern inzwischen oft ein Drama, zumal sie froh sein können, wenn ihre Sparten noch da sind).

Nun weitere Umfrageergebnisse: Aus Mannheim kommt auch, zum dritten Mal in Folge, das ist ungeheuerlich, die Uraufführung des Jahres: „Esame di mezzanotte“, komponiert von der Italienerin Lucia Ronchetti. Aus dem Staatstheater Stuttgart (1 Stunde im ICE) kommt die Aufführung des Jahres, Andrea Breths dunkle, intensive Inszenierung von Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“, musikalisch geleitet von Franck Ollu (dem Ensemble Modern in Frankfurt eng verbunden). Georg Nigl in der Titelpartie ist der Sänger des Jahres. Aus Stuttgart (200 Straßenkilometer) kommt auch die Wiederentdeckung des Jahres, Niccolò Jommellis köstliche „Berenike, Königin von Armenien“.

Eine Ehrung auch für "Perelà"

Aus dem Staatstheater Mainz kommen, immerhin, die Kostüme des Jahres (Gianluca Falaschi). Denn die Wahl hätte im Falle des genialischen Abends zu Pascal Dusapins „Perelà“ durchaus auf die Inszenierung von Lydia Steier fallen können, so dass diese Operngroßtat wenigstens an einer Stelle honoriert wurde.

Ferner: Dirigent des Jahres ist Kirill Petrenko, der in Bayreuth erneut den „Ring“ aus allem Mittelmaß riss, aber nicht verhindern konnte, dass die Wagner-Festspiele aus verschiedenen Gründen („Fehlleistungen, Intrigen, Dunkelstellen“) als Ärgernis des Jahres klassifiziert wurden. Das Orchester des Jahres befindet sich an der Bayerischen Staatsoper, die Sängerin des Jahres, Marlis Petersen, wurde ebenfalls vor allem für ihre Münchner Lulu geehrt. Hans Neuenfels, Regisseur des Jahres, überzeugte die Kritiker mit Arbeiten in München und Berlin.

Ach ja, Berlin: Der Chor der Komischen Oper wurde zum wiederholten Male prämiert. Fantastisch, wie wenig die Zentralisierung Richtung Hauptstadt bei der Oper funktioniert, anders als im Schauspiel.

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