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Oper Uraufführung von „Der Mieter“ in Frankfurt

Wer die Ordnung stört: Arnulf Herrmanns Oper pflegt keinen kruden Treppenhaus-Realismus.

Szene aus der Oper „Der Mieter“
Der Mieter, Björn Bürger, in der Psycho-Zelle. Und eine geisternde Anja Petersen. Foto: Barbara Aumüller

Die Regie von Johannes Erath hat klugerweise die mietshäusliche Lebenswelt historisch verortet – Wien um 1900 herum konnte man assoziieren. Die Inszenierung lässt aber im Verlauf der Entwicklung alles Lokalkolorit hinter sich. Einige Defilées von bizarr anmutenden, versehrten Sinnbildern ziehen wie in einem Mensch-Maschine-Totentanz über die Bühne. Die ist durch eine raffinierte Brechung verschiedener medialer und maßstäblicher Bild- und Klangformate in schwarz-weiß bestimmt und durch einige harte Lichtflächen des Mieterzimmers, das immer mehr zur Psycho-Zelle und Richtstätte wird (Bühne: Kaspar Glarner, Video: Bibi Abel, Sounddesign: Josh Jürgen Martin).

Es dominieren männliche Stimmen, wobei Björn Bürger als Mieter Georg vokal und akrobatisch viel abverlangt wird. Bewundernswert hält die Stimme alle Extreme durch, bewundernswert auch die als Alter Ego gegen Ende mehr ins Spiel geratende Sopranistin Anja Petersen mit sphärischen Klangbewegungen. Viele kleinere Rollen sind trefflich besetzt. Besonders nachdrücklich die Leistung des Philharmonia Chors Wien sowohl stimmlich als auch in seinen stilisierten Bewegungszügen (Leitung Walter Zeh). Kazushi Ono dirigierte das selten solch düstere und brachiale Schallemissionen ausstrahlende und dabei doch beste Figur machende Opern- und Museumsorchester. Zwei dichte, pausenlos gespielte Stunden.

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