Lade Inhalte...

Nik Kershaw Musik für Erwachsene

Robin Beck und Nik Kershaw jeweils einstimmig in der Frankfurter Batschkapp.

In einer idealen Welt kommt Robin Beck am Ende zurück auf die Bühne und singt die zweite Stimme, wenigstens bei „The Riddle“, Wouldn’t It Be Good“ und „I Won’t Let the Sun Go Down on Me“. Tut sie aber nicht. Schade. So bleibt es ein feiner kleiner Abend, direkt aus den 80er Jahren in die Batschkapp gereist.

Kleiner Abend auch deshalb, weil die beiden Hauptpersonen, zunächst Robin Beck, später dann Nik Kershaw, nicht gerade Riesen sind, rein körperlich betrachtet. Aber beim Wiedersehen wirkt ja vieles kleiner, als die Erinnerung erzählt. Die US-Sängerin Beck, 63, hat dafür eine gigantische Stimme mitgebracht, die man ihr so gar nicht zugetraut hätte nach all den Hits aus der Werbung.

Robin Beck war es nämlich, die uns in den 80er Jahren verkaufte, dass es Coca Cola sein müsse und mit diesem Lied und leicht abgewandeltem Text („First Time“, ohne Brause) überall auf Platz 1 stürmte. Einige Jahre später sang sie, dass es bei McDonald’s einfach gut sei. Auch ohne Reklamebotschaft kam sie seinerzeit beim Publikum gut an, vor allem mit „Save Up All Your Tears“ aus dem Jahr 1989. Das haut heute immer noch sauber rein mit dieser enormen Rockröhre, die Beck auspackt, ganz easy, ohne viel Herumgezappel, aber mit Sonnenbrille und einer coolen Botschaft am Ende: „Remember Coca Cola isn’t your life.“

Es lässt sich noch mehr lernen an diesem Abend: AOR heißt die Musikrichtung, der Robin Beck angeblich zugerechnet wird, aha, „Adult Orientated Rock“, also Musik für Erwachsene. Boston, Toto, Foreigner, Bon Jovi sollen auch zu dem Genre gehören; Sweet und die Bay City Rollers nicht. Gehen wir mal davon aus, dass das Publikum nicht damals schon erwachsen gewesen sein muss, sonst hätten es die meisten wohl kaum mehr in die Batschkapp geschafft.

Der Saal ist ordentlich, wenn auch nicht restlos gefüllt, als Nik Kershaw wenig später auf die Bühne kommt, ebenfalls mit Sonnenbrille, ebenfalls mit knackiger Band und seinen Hits aus den frühen 80ern. „Wide Boy“ und „Dancing Girls“ holen das Publikum gekonnt ab, bei „The Riddle“ reißt es erstmals alle aus den Stühlen, aber zwischendurch ist auch Leerlauf mit Stücken, die nicht an den irren Erfolg von Kershaws Debütalbum „Human Racing“ (1984) anknüpfen konnten.

Damals verbreitete sich Hochachtung unter den (unerwachsenen) Musikfreunden: Was der für Harmonien aneinanderreiht! Und diese vertrackten Rhythmen! Die kriegt er auch heute noch sauber hin. Dazwischen eine exzellente David-Bowie-Hommage („Ashes to Ashes“) und eine von Kershaws zahlreichen Kompositionen, mit denen andere Leute Erfolg hatten („The One and Only“, Chesney Hawkes, eher nicht AOR).

„Have a Nice Life“ schrieb er 1998 für seinen damals zehnjährigen Sohn. In zwei Wochen werde der Filius selbst Vater, sagt Kershaw in einem nahbaren Moment: „Ihr seht euch also einen Opa an.“ Die Leute lachen. Die Zeit bleibt nicht stehen, eine bittersweete Erkenntnis. Am bittersten, dass der zweistimmige Gesang fehlt. Aber Kompliment: Die Klimaanlage in der Batschkapp – eine Wohltat.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen