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New Yorker Philharmoniker Die Süße vor dem Sturm

Musik um 1911: Die New Yorker Philharmoniker in der Alten Oper Frankfurt mit ihrem Chef Alan Gilbert und einem tanzbaren, dabei zutiefst melancholischen Programm.

Alan Gilbert inmitten seiner New Yorker Philharmoniker in der Alten Oper Frankfurt. Foto: Tibor Pluto / Alte Oper Frankfurt

Von der bitteren Süße vor dem Sturm handelte das ganz um das Jahr 1911 herum gruppierte Konzertprogramm mit den New Yorker Philharmonikern unter ihrem Chefdirigenten Alan Gilbert: Tanzbare Melodien, Heiterkeit, die fadenscheinig geworden ist und dadurch deutlich an Niveau gewinnt, eine melancholische Festlichkeit. Man weiß schon, dass es so nicht bleiben wird, so bereits nicht mehr ist. Bloß den Ersten Weltkrieg kann sich man trotzdem nicht vorstellen.

In der Alten Oper Frankfurt gab es zuerst Igor Strawinskys „Petruschka“ (1910/11). So ging es mitten hinein in eine Welt, in der Drehorgeln mit großem Orchester komplex imitiert werden und Musiken sich abgefeimt ineinanderschieben, weil andauernd Jahrmarkt ist. Gilbert und sein Orchester demonstrierten ein luftiges, transparentes Tohuwabohu.

Die hochartifizelle Harmlosigkeit, die also keineswegs harmlos ist, setzte sich fort mit Maurice Ravels „Valses nobles et sentimentales“ in der Orchesterfassung (1912). Die New Yorker spielten sie zunächst als eine geniale Unterhaltungsmusik, bevor sie auch hier eine ausgefeilte, entspannt daherkommende und -walzende Schrägheit boten.

Nach der Pause folgte die leicht modifizierte Rosenkavalier-Suite nach Richard Strauss, mit dem überwältigenden Originalfinale für Orchester arrangiert. Im Zentrum zuvor der Ochs’sche Walzerrausch, so dass das Schöne und Bizarre, das Schöne und das Schluchzen über seinen Verlust zusammengingen. Gilbert dirigierte ohne Stab und als eleganter Luftmaler.

Das Publikum musste sich, vielleicht macht das die Subtilität eines solchen Programms, erst einklatschen. Die richtige Betriebstemperatur hatte es nach der hinreißenden Tschaikowski-Zugabe. Als Gilbert dann ein „Geschenk aus New York“ angekündigte und die Blechbläser sich zu einer Session samt kurzer Marschiererei zusammentaten, kannten die Zuhörer kein Halten mehr. Nur zum Mitklatschen war die Musik, wie Musik eigentlich überhaupt nie, nicht geeignet.

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