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Neue Pop-Alben Die dunkleren Ecken der Liebe

Neue Alben mit vielen Gitarren aus England und Kanada, von den Black Foxxes, der Boxer Rebellion, den Orielles und L.A. Salami.

Orielles
Sind die Orielles etwa schon alt genug, um so gute Musik machen zu dürfen? Foto: Heavenly Records

Das Frühjahr lässt viel neue Gitarrenmusik aufblühen, recht unterschiedliche Gitarrenmusik, und schöne Stimmen dazu. Ein kurzer und selektiver Blick auf das, was ist, und das, was kommt.

Kraft und Gefühl
Die Black Foxxes sind ein Trio aus Exeter, England, das seit vier Jahren richtig Dampf macht. Für das zweite Album „Reiði“ unternahm Sänger, Gitarrist und Songschreiber Mark Holley eine ausgedehnte Reise nach Island, die nicht nur Wut in ihm auslöste – das bedeutet der Albumtitel –, sondern auch „Sæla“, Happiness, wie der treibende dritte Song heißt. Die Band sieht sich beeinflusst von Neil Young und Jeff Buckley. Ein bisschen Grunge dazu, eine Prise alte Stereophonics: runde Sache. Ein wunderbares Werk zwischen Kraft und Gefühl, eine echte Entdeckung. Im April kommt die Band zu Konzerten auch nach Köln, Hamburg, Berlin und München.

Flott, aber sanft
The Boxer Rebellion ist ein Quartett aus London, England, seit 17 Jahren zusammen aktiv. Das Lied „Spitting Fire“, gleich in zwei Filmen zum Soundtrack gemacht, brachte der Drei-Kontinente-Band mit Musikern aus Großbritannien, USA und Australien ein treues Publikum, das auf flotte, aber eher sanfte Töne steht. Das aktuelle Werk, die sechste Studioproduktion der Vier, ist besonders gefühlvoll geworden, mit viel Resonanzraumgitarre und schönen getragenen Gesangslinien. Die Lieder erzählen „von den dunkleren Ecken der Liebe“, von Verlust und Trauer, aber sie wirken auch hoffnungsvoll. „Melancholie ist nichts, vor dem man zurückschrecken muss“, sagt Bassist Adam Harrison.

Frühlingsfrisch und unverbraucht
The Orielles wiederum sind zwei Schwestern aus Halifax, Kanada, und ihr bester Kumpel, den sie im Teenie-Alter auf einer Party kennenlernten. Zu dritt machen sie frühlingsfrischen unverbrauchten Indie-Pop mit New-Wave-Gitarrensound und verrückten Einfällen. Einen Eindruck geben etwa die Videoclips zu „Let Your Dogtooth Grow“ (weiß jemand, was ein Dogtooth ist, also außer Hundezahn jetzt?) und „Sugar Tastes Like Salt“. Die CD klingt nicht direkt, wie eine CD heutzutage normalerweise klingt, aber High-End-Studiotechnik war ja noch nie das, worauf es am meisten ankommt, und vielleicht kann das Vinyl noch mehr. Ein grundsympathisches Debütalbum. Am 7. und 8. April spielt die Band in Hamburg und Berlin.

Schrammelig und klug
L.A. Salami ist ein Sänger und Liederschreiber aus London, England, der nicht nur einen recht lustigen Namen hat – auch sein erstes Album „Dancing With Bad Grammar“ hieß recht witzig. Jetzt kommt er mit seinen neuen Songs, die „Generation L(ost)“ heißen und „England Is Unwell“ und „Terrorism (The Isis Crisis)“. Das klingt weniger spaßig, hört sich aber umso besser an. Der Mann hat eine Stimme, der man gern zuhört, und sortiert mal schrammelige, mal brausende Gitarren dazu, aber meistens schrammelige, und was viel wichtiger ist, er singt kluge Sachen, etwa über die Terrorismusbekämpfung: „Wenn ihr mein Zuhause bombardiert“, singt er und versetzt sich in andere Leute, „könnte es passieren, dass ich nicht allein bin, wenn ich mich daran erinnere, und ich könnte auf den Dschihad angewiesen sein, um das Loch zu füllen.“ Auch L.A. Salami kommt herüber auf Tour, und zwar vom 23. bis zum 27. April nach Hamburg, Berlin, Köln, Mannheim und München.

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