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Nachruf Rick Parfitt Zum Tod des Gitarristen Rick Parfitt

Die Kunst der Vereinfachung. Status-Quo-Gitarrist Rick Parfitt, der 68 Jahre alt wurde und dessen Leben oft nicht so lustig war, wie es aussah, ist am 24. Dezember in Spanien gestorben.

26.12.2016 16:51
Frank Junghänel
Rick Parfitt, hier bei einem Auftritt beim Montreux Jazz Festival 2009, ist am 24. Dezember gestorben. Foto: dpa

Wenn es jemanden gibt, auf den die Arbeitsplatzbeschreibung Rhythmusgitarrist in vollster Weise zutrifft, dann ist es Rick Parfitt, der fast fünfzig Jahre lang den stupide stampfenden Sound der britischen Rockband Status Quo geprägt hat. Wobei stupide hier keinesfalls als Schimpfwort verstanden werden soll, es ist schon eine Kunst, mit einer Handvoll Riffs durch ein halbes Jahrhundert Popmusikgeschichte zu kommen. An der Seite seines Bandkollegen Francis Rossi hat Rick Parfitt als virtuoser Reduktionist Status Quos Viervierteltaktmotor am Laufen gehalten. Wie Rossi spielte Parfitt zumeist eine Fender Telecaster, die er mit extra dicken Saiten bespannt hatte, die seinem harten Anschlag widerstanden.

Man kann sich kaum vorstellen, dass Status Quo mit ihrem ja nicht besonders ausgefeilten Konzept bis heute zu den erfolgreichsten Bands überhaupt zählt. Die 32 Studioalben, die Rossi und Parfitt über all die Jahre mit wechselnder Begleitung veröffentlichten, warfen allein in Großbritannien sechzig Hitsingles ab, und auch in Deutschland, Ost wie West, war die Gruppe vor allem Mitte der Siebziger überaus beliebt. Zu ihren größten Erfolgen zählten damals Songs wie „Caroline“, „Down Down“, „Roll Over Lay Down“, die alle ziemlich ähnlich klangen, weil sie von dem bandtypisch Doppelgitarrenboogie angetrieben wurden. Ihre optische Entsprechung fanden die Stücke in einem sauber choreographierten Ausfallschritt (linkes Bein nach vorne) der beiden Musiker. Das war’s dann auch an Show.

So schlicht wie zum Schluss klangen Status Quo aber nicht immer, begonnen hatten sie im Swinging London der Sechziger als eher psychedelisch orientiertes Ensemble, das mit „Pictures Of Matchstick Men“ einen der Signatursongs der Beat-Ära schuf. Nach einem Zwischenspiel mit dem Blues fand die Band dann jene Formel, der sie bis ans Ende treu blieb. Ihr große Zeit war schon vorbei, als sie mit John Fogertys „Rockin’ All over the World“ und Bolland & Bollands „In The Army Now“ die erfolgreichsten Hits hatte.

Für Parfitt war das Leben oft nicht so lustig, wie es aussah. 1980 ertrank seine zweijährige Tochter im Swimmingpool. Vielleicht begann an diesem Tag sein langsames Sterben. Seine erste Ehe zerbrach, er begann exzessiv zu trinken, immer öfter war von Drogenproblemen die Rede. Soloprojekte scheiterten. In den Neunzigern plagten ihn Herzprobleme, eine Bypass-Operation 1997 verhinderte weitere Infarkte nicht. Immer wieder rappelte er sich auf, war bei jeder Jubiläumstour dabei.

Als er zuletzt fehlte, war klar, dass es nicht gut stand. Im Juni hatte sein Herz nach einem Konzert in Antalya versagt. Er konnte reanimiert werden. Am 24. Dezember ist Rick Parfitt 68-jährig an den Folgen einer Infektion im spanischen Marbella gestorben.

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